Englische Aussprache mit deinem Kind üben: die sechs Stolperstellen für deutsche Kinder
Von Readigo-Redaktion · 2026-09-10 · 8 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Sechs Stellen machen deutschen Kindern im Englischen am meisten Mühe: das th in think und this, das w gegen das v, die stimmhaften Endkonsonanten (aus bed wird bet), die Vokalpaare wie ship und sheep, die stummen Buchstaben in know oder half und die Betonung, die im Englischen nicht einfach auf der ersten Silbe liegt. Der Engpass ist dabei selten das Kind, sondern das Modell: Wer sein eigenes Englisch für wacklig hält, kann weder vormachen noch hören, ob es gestimmt hat. Das ist kein Versagen - schon die Lehrpläne rechnen damit und verlangen zusätzliche Hörmodelle neben der Stimme der Lehrkraft. Drei Minuten am Tag, ein Laut pro Woche, immer erst hören, dann nachsprechen. Wie das laute Lesen dazu passt, steht unter Englisch lesen üben in der Grundschule.
Warum die eigene Aussprache der Eltern hier das Nadelöhr ist
Beim deutschen Lesen hörst du jeden Fehler. Du merkst sofort, wenn aus „Hase“ ein „Hose“ wird, und du weißt, wie das Wort klingen muss. Beim englischen Lesen fällt dieses sichere Ohr weg. Wer in der Schule selbst mit „sink“ statt think durchgekommen ist, kann bei seinem Kind nicht unterscheiden, ob der Laut jetzt richtig war - und wer es nicht hört, kann es auch nicht zeigen. Das ist keine Schwäche, sondern eine ganz normale Folge davon, wie die meisten von uns Englisch gelernt haben. Die Lehrpläne sehen dasselbe Problem, nur auf Seiten der Schule. Der rheinland-pfälzische Teilrahmenplan schreibt über die Sprache der Lehrkraft: „Sie ist für viele Kinder das einzige fremdsprachliche Modell“ - und folgert, der sprachliche Input solle „nicht allein durch die Lehrersprache gegeben werden“. Der Hamburger Bildungsplan formuliert es noch strenger: „Das korrekte sprachliche Vorbild der Lehrerinnen und Lehrer ist von größter Wichtigkeit, da die in den ersten Lernjahren erfahrenen Sprachmodelle prägend sind.“ Deshalb haben dort mündliche Aktivitäten und authentische Hörmaterialien „absolute Priorität, damit die Schülerinnen und Schüler zusätzlich die Aussprache und Intonation von Menschen hören, die Englisch als Erstsprache sprechen“. Und die Aussprache kommt in diesem Fach vor der Schrift: Erst „wenn die Aussprache gesichert ist“, soll laut demselben Plan das Schriftbild einzelner Wörter dazukommen. Für dich heißt das zwei Dinge. Erstens: Deine Aufgabe ist nicht, das Vorbild zu sein, sondern das Vorbild zu organisieren - eine Aufnahme, ein Hörstift, das Audiomaterial zum Lehrwerk. Zweitens: Die drei Minuten, in denen dein Kind einen Laut nachspricht, sind gut investiert, weil sie später das Lesen tragen.
Demo
Was die App bei einem kurzen Abschnitt hört
Die Demo startet von selbst. Der Text leuchtet Wort für Wort auf, so wie die App einem Kind beim lauten Lesen folgt - und wird langsamer, wo das Kind ins Stocken gerät.
Milo the fox found a red kite stuck high in the old oak tree, and he tugged until it came free.
Schwierige Wörter werden orange markiert.
Die sechs Stolperstellen - mit je einer Übung
1. Das th. Im Deutschen gibt es diesen Laut nicht, deshalb wird aus think gern „sink“ und aus this „ziss“. Es sind zwei Varianten: stimmlos in think, three, thirty, third und stimmhaft in this, that, mother. Übung: vor den Spiegel stellen, Zungenspitze ganz leicht zwischen die Zähne, Luft durchlassen. Wenn man die Zunge sieht, stimmt es meistens. Danach Paare hören und nachsprechen: thick und sick, think und sink. 2. w gegen v. Das englische w gibt es im Deutschen nicht. Deutsche Kinder sprechen es als v, also wine wie vine. Übung: Lippen für w runden wie bei einem „u“ und erst dann den Vokal anschließen. Eine Hand vor den Mund zeigt den Luftstoß. Paare: west und vest, wet und vet. 3. Stimmhafte Endkonsonanten. Im Deutschen werden b, d, g am Wortende hart: „Hund“ klingt wie „Hunt“. Englisch macht das nicht, und der Unterschied ist bedeutungstragend. Aus bed wird sonst bet, aus bag wird back, aus dog wird dock. Eine Liste häufiger Stolperpaare nennt unter anderem serve und surf, pens und pence, road und wrote. Übung: Hand an den Hals legen. Beim stimmhaften Endlaut vibriert es, beim harten nicht. Zwei Wörter abwechselnd sprechen, bis der Unterschied zu fühlen ist. 4. Vokalpaare. Englisch unterscheidet Vokale, die im Deutschen zusammenfallen: ship gegen sheep, fit gegen feet, dazu pet gegen pat und short gegen shot. Wird das nicht getrennt, verschwinden ganze Wörter. Übung: immer paarweise üben, nie einzeln. Zwei Zettel, zwei Wörter. Die Aufnahme sagt eines, dein Kind zeigt darauf. Du musst dabei kein Wort selbst sprechen. 5. Stumme Buchstaben. know, write, half, island, listen: Das Schriftbild sagt nicht, was zu hören ist. Für ein Kind, das Deutsch Buchstabe für Buchstabe erlesen hat, ist das der größte Bruch. Übung: Mit dem Bleistift die stummen Buchstaben in einem kurzen Text durchstreichen, bevor gelesen wird. Das macht aus einer Unregelmäßigkeit eine sichtbare Regel. 6. Betonung und schwache Silben. Deutsch betont meist die erste Silbe, Englisch nicht: banana, potato, important, computer. Dazu werden im Englischen kleine Wörter geschluckt, während deutsche Sprecher jedes Wort gleich kräftig sprechen - bei „Are you planning to buy me some flowers?“ hört man das sofort. Übung: das Wort klopfen statt sprechen. Dein Kind klopft den Rhythmus mit der Hand auf den Tisch, laut auf der betonten Silbe: ba-NA-na. Bei Sätzen nur die zwei wichtigsten Wörter laut, der Rest leise.
Wie du übst, ohne selbst Vorbild sein zu müssen
Die Reihenfolge ist immer dieselbe: hören, nachsprechen, dann lesen. Nie umgekehrt. - Ein hörbares Modell zuerst. Aufnahme zum Lehrwerk, Hörfassung eines Erstlesebuchs, Hörstift. Frag in der Schule nach, was es zum Buch deines Kindes gibt. Vieles liegt einfach unbenutzt daneben. - Echo-Lesen an einem Satz. Ein Satz aus der Aufnahme, Pause, dein Kind sagt denselben Satz nach, mit derselben Melodie. Drei Sätze reichen für einen Tag. - Ein Laut pro Woche. Diese Woche nur th, nächste Woche nur das w. Alles gleichzeitig zu korrigieren, führt dazu, dass nichts sitzt. - Drei Minuten, nicht zwanzig. Aussprache ist Feinmotorik. Sie wächst über Wiederholung, nicht über Dauer. - Aufnehmen und anhören. Dein Kind liest drei Sätze, ihr hört die Aufnahme zusammen mit dem Original. Kinder hören eigene Fehler überraschend gut - und nehmen die Rückmeldung von einer Aufnahme besser an als von den Eltern. - Sag, was stimmt. „Das th war genau richtig“ bringt mehr als drei Korrekturen. Auch für dich ist das leichter: Loben kannst du, ohne den Laut selbst zu können.
Was du nicht tun solltest
- Jedes Wort korrigieren. Wer in jeden Satz hineinspricht, zerlegt ihn. Drei Sekunden warten, ein einziges Wort ruhig richtig sagen, weiterlesen lassen - und nur das Wort, das zum Laut der Woche gehört. - Akzent-Perfektion verlangen. Ziel ist Verständlichkeit, nicht ein britischer Akzent. Der Hamburger Bildungsplan sagt dazu: „Sprachliche Kompetenz misst sich in erster Linie am kommunikativen Erfolg einer Äußerung“, und dass ein „sensibler Umgang mit Fehlern“ nötig sei, um das Vertrauen der Kinder in ihr Können zu stärken. Ein deutscher Akzent ist kein Fehler. Ein bet, das bed heißen sollte, ist einer. - Aussprache vor dem Verstehen. Ein Kind, das nicht weiß, was der Satz bedeutet, übt Geräusche. Erst in zwei Sätzen auf Deutsch klären, worum es geht, dann die Laute. - Die eigene unsichere Aussprache zum Modell machen. Wenn du bei einem Wort zögerst, lass die Aufnahme sprechen, statt zu raten. Einmal falsch gehört, wird schwer wieder gelöscht - genau deshalb legen die Lehrpläne so viel Gewicht auf das erste Sprachmodell. - Lautschrift üben. Für Grundschulkinder ist die phonetische Umschrift ein zweites Schriftsystem obendrauf. Ohr und Mund reichen.
Wann es sich lohnt, in der Schule nachzufragen
Die Grundschule bewertet die Aussprache kaum, deshalb erfährst du von dort selten etwas ohne Nachfrage. Im thüringischen Grundschulzeugnis stehen nach dem KMK-Bericht zur Fremdsprache nur Angaben zu Hörverstehen und Sprechen, und Noten gibt es dafür nicht. Das heißt nicht, dass nichts beobachtet wird - es heißt, dass du fragen musst. Frag nach, wenn einer dieser Punkte auf dein Kind zutrifft: - Es spricht im Englischunterricht nicht mit, obwohl es sonst gern erzählt, oder es flüstert nur. - Es wird von Mitschülern wegen seiner Aussprache aufgezogen. - Es sagt ein Wort jedes Mal anders und merkt den Unterschied selbst nicht. - Dieselben Laute fallen auch im Deutschen auf - wenn etwa das s oder sch nicht sitzt. Dann ist die Frage nach einer logopädischen Abklärung berechtigt, und sie hat nichts mit Englisch zu tun. Gute Fragen an die Lehrkraft: Welche Laute üben Sie gerade? Gibt es zum Lehrwerk Hörmaterial, das wir zu Hause nutzen können? Fällt Ihnen im Unterricht auf, dass mein Kind beim Sprechen zurückhält? Und wenn das laute Lesen insgesamt schwerfällt, lohnt der Blick auf die Flüssigkeit, bevor es um Laute geht: Leseflüssigkeit fördern und Prosodie beim Lesen.
Wo Readigo hier hilft
Alles in diesem Artikel läuft auf denselben Satz zu: Jemand muss hören, was dein Kind gerade gesagt hat, und sagen, ob es gestimmt hat. Beim deutschen Lesen bist du das. Beim englischen Lesen ist genau das die Lücke. Readigo ist eine iOS-App für Kinder von 6 bis 12 Jahren. Sie hört zu, während dein Kind laut liest, und bewertet in Echtzeit Genauigkeit, Leseflüssigkeit, Lesetempo und Deutlichkeit - Wort für Wort, mit einer Spracherkennung, die auf Kinderstimmen abgestimmt ist. Die Geschichten sind derzeit auf Englisch, Spanisch, Französisch, Polnisch und Ukrainisch. Eine deutsche Bibliothek ist in Vorbereitung. Für das deutsche Lesetempo ist das eine echte Einschränkung, und wir schreiben sie überall hin. Für dieses Thema ist sie keine: Ein Kind, das englische Sätze laut lesen soll, bekommt hier die Rückmeldung, die du selbst nicht geben kannst - und zwar ohne dass jemand am Tisch sitzen und korrigieren muss. Die Laute üben ihr weiter mit Ohr und Mund. Die App sagt nur, wo es noch hakt. So funktioniert Readigo.
Quellen
- Freie und Hansestadt Hamburg - Bildungsplan Grundschule Englisch (Sprachvorbild, Hörmaterialien, Umgang mit Fehlern)
- Rheinland-Pfalz - Rahmenplan Grundschule, Teilrahmenplan Fremdsprache (2004)
- ISB Bayern, LehrplanPLUS - Fachprofil Englisch Grundschule (Vorrang von Hören und Sprechen)
- Pronunciation Studio - 10 English Pronunciation Errors by German Speakers (Minimalpaare und Fehlerliste)
- Kultusministerkonferenz (2013) - Fremdsprachen in der Grundschule: Sachstand und Konzeptionen (Leistungsrückmeldung je Land)