Vorlesewettbewerb in der 6. Klasse: Regeln, Bewertung und wie dein Kind zu Hause übt
Von Readigo-Redaktion · 2026-11-02 · 13 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Beim Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels liest jedes Kind der 6. Klasse höchstens drei Minuten aus einem selbst gewählten Kinder- oder Jugendroman vor und meist noch etwa zwei Minuten aus einem Text, den es nicht kennt. Die Jury achtet auf Lesetechnik, Interpretation und, nur beim eigenen Buch, auf die Auswahl der Textstelle. Für jedes Kriterium vergibt jedes Jurymitglied bis zu fünf Punkte. Zu Hause übt dein Kind am besten zwei Dinge. Erstens wählt es eine Stelle, die man ohne Vorwissen versteht und die mit der Stoppuhr gemessen höchstens drei Minuten dauert, und liest sie mehrmals laut. Zweitens liest es jeden Tag ein paar Minuten unbekannte Texte vom Blatt. Im Schuljahr 2026/27, der 68. Ausgabe des Wettbewerbs, finden die Schulentscheide im November statt. Die Schule meldet ihr Siegerkind bis zum 15. Dezember 2026.
Was der Vorlesewettbewerb ist und wie er 2026/27 abläuft
Der Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels ist ein bundesweiter Wettbewerb für Kinder der 6. Klasse, bei dem die Kinder aus einem selbst gewählten Buch und meist auch aus einem unbekannten Text vorlesen und eine Jury entscheidet, wer am besten vorliest. Es gibt ihn seit 1959. Ausgerichtet wird er von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, zusammen mit Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen und Kultureinrichtungen, unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Laut der Einladung an die Schulen machen jedes Jahr rund 600.000 Kinder an über 7.000 Schulen mit. Im Schuljahr 2026/27 ist es die 68. Ausgabe. Mitmachen können alle Kinder der 6. Klasse in Deutschland, und zwar über ihre Schule. Allein, ohne teilnehmende Schule, kann ein Kind nicht antreten. An Förderschulen ohne feste Klassenstufen zählt das Alter: Die Kinder müssen zum Start im Herbst zwischen 10 und 13 Jahre alt sein. Jede Schule meldet ein Siegerkind, Schulen mit 200 oder mehr teilnehmenden Kindern im 6. Jahrgang zwei. Schulen mit Inklusion können zusätzlich ein Kind aus dem Förderschwerpunkt Lernen melden.
| Entscheid | Wann (2026/27) | Wer ist dran |
|---|---|---|
| Klassenentscheid | Oktober 2026 | alle Kinder einer 6. Klasse |
| Schulentscheid | November 2026 | die Siegerkinder der Klassen |
| Meldung des Siegerkindes | bis 15. Dezember 2026 | die Lehrkraft meldet online, die Eltern ergänzen die Daten |
| Stadt- oder Kreisentscheid | Februar 2027 | die Siegerkinder der Schulen einer Stadt oder eines Kreises |
| Bezirksentscheid (nicht in Hamburg, Bremen und im Saarland) | Mitte März bis Ende April 2027 | die Siegerkinder der Stadt- und Kreisentscheide |
| Landesentscheid | Mai 2027 | die Siegerkinder der vorigen Stufe |
| Finale | Juni 2027 | die Siegerkinder der Landesentscheide |
Den genauen Termin des Schulentscheids legt die Schule fest. Die Stiftung rät den Schulen, ihn früh anzusetzen, weil es zum Jahresende oft Engpässe und Krankheitsausfälle gibt. Frag also bei der Deutschlehrkraft nach, wann es so weit ist. Der Wettbewerb ist für Schulen in Deutschland ausgeschrieben. Die Übungstipps unten helfen aber jedem Kind, das vor Publikum vorlesen soll, auch in Österreich und der Schweiz.
Die Regeln für das eigene Buch: der Wahltext
Den Wahltext sucht dein Kind selbst aus. Nach den Spielregeln 2026/27 muss er diese Bedingungen erfüllen: - Ein altersgemäßer, erzählender Kinder- oder Jugendroman in deutscher Sprache. - Nicht zugelassen sind Schullesebücher, Sachbücher, Anthologien, Comics, Lyrik, Kurzgeschichten, Mundart- und Theaterstücke sowie selbst geschriebene Texte. Bei Comicromanen ist laut Wettbewerbsseite entscheidend, ob sich eine zusammenhängende Textstelle von drei Minuten vorlesen lässt. - Höchstens drei Minuten Lesezeit. - Eine zusammenhängende Stelle, unverändert. Nichts kürzen, nichts weglassen, nichts ergänzen. - Aus dem Buch, nicht von Kopien. Lose oder kopierte Blätter sind nicht erlaubt. Ein E-Book-Reader ist erlaubt, wenn darauf ein vollständiges, handelsübliches Original-E-Book gespeichert ist und keine Leseprobe. Fällt das Gerät aus, etwa wegen eines leeren Akkus, wird der Vortrag unter Umständen nicht gewertet. - Auf jeder nachfolgenden Stufe ein anderes Buch, von jemand anderem geschrieben und nicht aus derselben Reihe oder Serie. Die Vorlesetipps des Wettbewerbs verlangen das für jeden nächsten Entscheid, also schon vom Klassen- zum Schulentscheid. Frag die Lehrkraft, wie eure Schule das handhabt, bevor dein Kind mit der Stelle aus der Klassenrunde weiterübt. Vor dem Lesen nennt dein Kind Titel und Autorin oder Autor und sagt in zwei bis drei Sätzen, worum es im Buch geht und was vor der Stelle passiert. Eine ausführliche Buchvorstellung wie im Deutschunterricht ist nicht gemeint. Die Einleitung zählt nicht zur Lesezeit und wird nicht bewertet. Wer gegen die Regeln verstößt, kann aus dem Wettbewerb ausgeschlossen werden. Sprich das Buch deshalb mit der Lehrkraft ab, bevor dein Kind mit dem Üben anfängt.
Worauf die Jury achtet
Eine Jury hat laut Einladung etwa drei bis fünf Mitglieder. Beim Klassen- und Schulentscheid sind das Mitschülerinnen und Mitschüler, Lehrkräfte oder auch Gäste von außen. Ab dem Stadt- oder Kreisentscheid stellt der örtliche Veranstalter eine unabhängige Jury zusammen. Alle Jurys bewerten nach denselben drei Kriterien:
| Kriterium | Bewertet bei | Worauf die Jury achtet | Was das fürs Üben heißt |
|---|---|---|---|
| Lesetechnik | Wahltext und Fremdtext | Liest das Kind sicher und flüssig, mit deutlicher Aussprache, angemessenem Tempo, Pausen und sinngemäßer Betonung? | Die Stelle so oft laut lesen, bis dein Kind über kein Wort mehr stolpert. Versprecher fließen nicht in die Bewertung ein. |
| Interpretation | Wahltext und Fremdtext | Kommen Inhalt und Stimmung an? Ist der Vortrag lebendig, ungekünstelt und ohne übertriebene Theatralik? | Erst klären, was in der Szene passiert und wie es den Figuren geht, dann die Stimme danach richten. |
| Textstellenauswahl | nur Wahltext | Ist die Stelle schlüssig, mit verständlichem Anfang und Ende? Bleibt sie innerhalb von drei Minuten? Weckt sie Interesse am Buch? | Eine Szene wählen, die ohne Vorwissen trägt, und sie mit der Stoppuhr proben. Das Buch selbst wird nicht bewertet, solange es den Regeln entspricht. |
Jedes Jurymitglied vergibt pro Kriterium bis zu fünf Punkte, ausdrücklich keine Schulnoten. Die Punkte aller Jurymitglieder werden addiert, und das Kind mit den meisten Punkten gewinnt. Bei Gleichstand stimmt die Jury ab. Steht es dann noch unentschieden, entscheidet ein Stechen oder das Los. In der Regel kommt aus jedem Entscheid nur ein Kind weiter, Ausnahmen gibt es für große Schulen, Schulen mit Inklusion und einige Bezirksentscheide. Punktzahlen und die vollständige Rangfolge werden nicht bekannt gegeben, weder dem Publikum noch den Kindern. Fragt dein Kind hinterher nach seinen Punkten, ist das die Antwort. Der Bewertungsbogen fasst den Maßstab in einem Satz zusammen: „Bewertet wird gutes Vorlesen, nicht Schauspielerei.“ Darauf solltest du beim Üben achten. Ein Kind, das eine Stelle auswendig lernt und mit großen Gesten vorträgt, trifft genau das nicht, was die Jury unter Interpretation versteht. Ob dein Kind schon betont liest, kannst du mit der Übersicht unten in zwei Minuten festhalten. Lass es eine Seite aus seinem Buch vorlesen, ohne vorher zu üben, und kreuz an, was du hörst. Nach drei Wochen Übung machst du es noch einmal.
Zum Mithören
Prosodie einschätzen: Wie betont liest dein Kind?
Prosodie heißt in der Schule betontes, sinngestaltendes Lesen. Lass dein Kind eine Seite auf seinem Niveau laut lesen und kreuz bei den sechs Merkmalen unten an, was du hörst. Grundlage ist die Flüssigkeitsskala der US-Bildungsstudie NAEP. Das Ausfüllen dauert zwei Minuten, und ausgedruckt kannst du das Ergebnis später vergleichen.
So geht's
Such eine Seite auf dem Leseniveau deines Kindes aus und hör zu, wie es sie laut liest, ohne vorher zu üben. Kreuz bei jedem Merkmal Ja, Manchmal oder Noch nicht an. Falsche Antworten gibt es nicht. Du beschreibst dieses eine Lesen und benotest nicht dein Kind.
1. Macht Pausen bei Komma und Punkt
Die Stimme setzt dort ab, wo die Satzzeichen es verlangen, statt die Sätze ineinanderlaufen zu lassen.
2. Hebt die Stimme bei Fragen und folgt den Satzzeichen
„Ist es schon so weit?“ geht am Ende nach oben, ein Ausrufezeichen bekommt Schwung.
3. Liest in Sinneinheiten, nicht Wort für Wort
Fasst drei oder vier Wörter zusammen („es war einmal“) statt ein… Wort… nach… dem… anderen.
4. Betont die Wörter, auf die es ankommt
Legt das Gewicht auf das wichtige Wort, wie beim Sprechen: In „Ich war das nicht“ liegt es auf „ich“.
5. Liest wörtliche Rede und Gefühle mit Ausdruck
Gibt den Figuren eine Stimme oder ändert den Ton an einer spannenden oder lustigen Stelle.
6. Liest in gleichmäßigem, natürlichem Tempo
Liest ruhig und stetig: nicht abgehackt, nicht gehetzt, nicht flach wie ein Roboter.
Das richtige Buch und die richtige Stelle
Die Vorlesetipps des Wettbewerbs sagen es schlicht: Je besser dem Kind die Geschichte gefällt, desto besser klappt das Vorlesen. Lass dein Kind also selbst wählen, auch wenn du ein anderes Buch wertvoller fändest. Buchtipps gibt es in der Buchhandlung, in der Stadtbibliothek und auf der Seite des Wettbewerbs. Bei der Wahl der Stelle helfen fünf Fragen: 1. Versteht sie jemand, der das Buch nicht kennt? Wenige Figuren, ein klarer Ort, keine Anspielungen auf frühere Kapitel. 2. Hat sie einen Anfang und ein Ende? Ein kleiner Bogen: eine Situation, eine Wendung und ein Satz, nach dem man gut aufhören kann. 3. Passt sie in drei Minuten? Lass dein Kind die Stelle in ruhigem Vorlesetempo mit der Stoppuhr lesen. Wird es knapp, hört es einen Satz früher auf, statt in der Mitte etwas zu streichen. 4. Passt die Stimmung zu deinem Kind? Ein eher ruhiges Kind kann eine unheimliche oder nachdenkliche Szene überzeugender lesen als eine laute Verfolgungsjagd. 5. Gibt es wörtliche Rede, aber nicht zu viele Sprechende? Zwei oder drei Figuren lassen sich mit kleinen Unterschieden in der Stimme auseinanderhalten. Bei fünf Figuren gerät der Vortrag leicht ins Theaterspielen. Dann schreibt dein Kind seine Einleitung, zwei bis drei Sätze: Titel, wer das Buch geschrieben hat, worum es geht und was vor der Stelle passiert. Diese Sätze sollte es frei sprechen können. Gelesen wird danach aus dem Buch. Wer weiterkommt, braucht für jeden nächsten Entscheid ein Buch von jemand anderem, nicht aus derselben Reihe. Am besten überlegt ihr schon jetzt, welche weiteren Lieblingsromane infrage kommen.
Den Wahltext zu Hause üben
Geübt wird laut, in kurzen Einheiten und verteilt über mehrere Tage. Dass wiederholtes lautes Lesen derselben Passage das Lesen schneller und genauer macht, zeigte der US-Leseforscher S. Jay Samuels schon 1979. Für den Wettbewerb kommt hinzu, dass dein Kind mit jedem Durchgang weniger mit den Wörtern beschäftigt ist und sich mehr auf die Gestaltung konzentrieren kann. - Erst verstehen, dann gestalten. Sprecht über die Szene: Wer spricht? Was will die Figur? Wo kippt die Stimmung? Wer das weiß, findet die passende Betonung meist von selbst. - Den Text in Abschnitte gliedern. Der Hörbuchsprecher Rufus Beck, 2009 selbst in der Jury des Wettbewerbs, rät, den Text gedanklich in kleine Abschnitte zu teilen und am Punkt oder am Ende eines Absatzes eine Pause zu machen. Pausen sind für ihn wie Trommelwirbel: Sie machen die Geschichte spannend und lassen dem Publikum Zeit zu verstehen. Pausen und betonte Wörter lassen sich mit Bleistift auf einer Kopie zum Üben markieren. Im Wettbewerb liest dein Kind dann aus dem Buch. - Langsamer lesen, als man denkt. Vor Aufregung lesen viele Kinder zu schnell. Die Vorlesetipps des Wettbewerbs warnen ausdrücklich davor. Lass dein Kind die Stelle einmal bewusst langsam lesen und dann selbst sagen, was besser klang. - Aufnehmen und anhören. Eine Sprachaufnahme mit dem Handy zeigt mehr als jeder Kommentar. Zwei Fragen beim Anhören reichen: Wo war es zu schnell? Wo hätte eine Pause gutgetan? - Nicht auswendig lernen. Der Wettbewerb rät davon ab, den Text allzu sehr einzustudieren. Gesucht ist flüssiges, ungekünsteltes Vorlesen. - Mit Versprechern rechnen. Versprecher fließen nicht in die Bewertung ein. Üb mit deinem Kind, nach einem Fehler einfach weiterzulesen, statt den Satz neu anzufangen. Rufus Beck beschreibt, wie sonst ein Teufelskreis aus Aufregung und neuen Versprechern entsteht. - Vor Publikum proben. Wer der Familie drei Minuten lang vorgelesen hat, steht ruhiger vor der Jury. Ein Videoanruf mit den Großeltern zählt auch. Halt dich mit Korrekturen zurück. Eine Rückmeldung nach jedem Durchgang reicht, und sie fängt mit dem an, was schon gut klang. Weitere Übungen für den Ausdruck stehen unter Mit Ausdruck lesen. Was betontes Lesen mit dem Verstehen zu tun hat, erklärt Prosodie beim Lesen.
Den Fremdtext üben: unbekannte Texte vom Blatt lesen
Den Fremdtext bestimmen die Veranstalter jedes Entscheids. Idealerweise lesen alle Kinder nacheinander aus demselben Buch, jedes etwa zwei Minuten und jedes dort weiter, wo das vorige aufgehört hat. Der Text soll gleichmäßig schwer sein, ohne Zungenbrecher und ohne fremdsprachige Ausdrücke. Bewertet werden nur Lesetechnik und Interpretation. Bei vielen Teilnehmenden kann die Jury entscheiden, dass nur die Kinder in der engeren Wahl den Fremdtext lesen. Das soll dann zu Beginn bekannt gegeben werden. Zur Einordnung des Tempos: In unserer Tabelle steht für das laute Lesen eines Textes auf Klassenniveau am Ende der 6. Klasse ein Orientierungswert von rund 150 Wörtern pro Minute, eine Fortschreibung und keine amtliche Norm. Die Jury misst kein Tempo, sie achtet auf ein angemessenes. Die Werte aller Klassen stehen in der Tabelle mit Rechner und unter Lesegeschwindigkeit nach Klasse. Auf einen unbekannten Text kann sich niemand vorbereiten, auf das Lesen vom Blatt schon. Das ist Übungssache, vor allem für ein Kind, das bei neuen Texten oft stockt: - Jeden Tag fünf Minuten laut aus etwas Neuem. Abwechselnd ein Stück aus einem Kinderroman, den dein Kind nicht kennt, ein Artikel aus einer Kinderzeitung, ein Sachtext. Wichtig ist, dass der Text neu ist, sonst übt dein Kind wieder das Bekannte. - Mit den Augen vorauslesen. Wer geübt vorliest, ist mit dem Blick schon ein Stück weiter als mit der Stimme und sieht so das Fragezeichen am Satzende, bevor der Satz beginnt. Dein Kind kann das üben, indem es den nächsten Satz kurz überfliegt, bevor es ihn laut liest. - Satzzeichen ernst nehmen. Bei Punkt und vielen Kommas setzt die Stimme kurz ab, bei Ja-Nein-Fragen geht sie am Ende meist hoch. Im Fremdtext ist das der sicherste Weg zu einer guten Lesetechnik, weil es keine Vorbereitung braucht. - Schwierige Wörter erlesen, nicht raten. Lange Zusammensetzungen und seltene Namen lieber kurz in Silben zerlegen, als den Anfang zu lesen und den Rest zu erfinden. Beim täglichen Üben mit neuen Texten kann eine App zuhören, wenn du nicht danebensitzt. Readigo ist eine iOS-App für Kinder von 6 bis 12 Jahren. Sie hört zu, wenn ein Kind laut liest, und bewertet das Gelesene sofort. Die Spracherkennung von Readigo ist auf Kinderstimmen abgestimmt und gleicht jeden Satz mit dem Text ab, nach den Buchstaben-Laut-Regeln, die die Leseforschung als Grundlage des Lesenlernens beschreibt. Nach jedem Satz sieht das Kind seine Bewertung und die Wörter, die es falsch gelesen oder ausgelassen hat. Die meisten Apps für dieses Alter bewerten lautes Lesen gar nicht. Readigo wurde genau dafür entwickelt. Die Geschichten gibt es auf Deutsch in einer eigenen Bibliothek und in fünf weiteren Sprachen. Einen Satz, der nicht gesessen hat, kann dein Kind gleich noch einmal lesen, um die Bewertung zu verbessern. Beim Üben mit der App darf ein Satz also wiederholt werden, im Wettbewerb liest dein Kind nach einem Versprecher einfach weiter. Wie betont und lebendig es vorliest und ob ein Vortrag eine Jury überzeugt, beurteilt die App nicht. Dafür braucht es Menschen, die zuhören.
Ein Übungsplan bis zum Schulentscheid
Die Schulentscheide finden laut Zeitplan im November statt. Der Plan unten dauert drei Wochen, an fünf Tagen pro Woche je 10 bis 20 Minuten. Hat dein Kind den Klassenentscheid schon gewonnen, klärt zuerst mit der Lehrkraft, ob es beim Schulentscheid aus demselben Buch lesen darf. Nach den Regeln braucht jeder neue Entscheid ein Buch von jemand anderem.
| Zeitraum | Wahltext | Fremdtext |
|---|---|---|
| Woche 1 | Buch und Stelle wählen (für den Schulentscheid nach den Regeln ein anderes Buch als in der Klassenrunde) und mit der Lehrkraft absprechen, mit der Stoppuhr prüfen, die Szene besprechen, die Einleitung schreiben. Täglich zweimal laut lesen. | Täglich fünf Minuten laut aus einem neuen Text. |
| Woche 2 | Pausen und betonte Wörter auf der Übungskopie markieren, einmal aufnehmen und gemeinsam anhören, die Einleitung frei sprechen. | Täglich fünf Minuten, die Textsorte wechseln: Roman, Sachtext, Kinderzeitung. |
| Woche 3 | Zwei Generalproben vor Publikum: mit Einleitung, aus dem Buch, mit Stoppuhr. Die Textstelle nicht mehr wechseln. | Täglich fünf Minuten, einmal davon vor Publikum. |
| Am Tag davor | Die Stelle einmal ruhig lesen, ein Lesezeichen hineinlegen, das Buch einpacken. | Nichts Neues mehr. |
Bleiben nur noch ein paar Tage, konzentriert euch auf das, was am meisten bringt: die Stelle mit der Stoppuhr prüfen, täglich zweimal laut lesen, einmal vor Publikum proben und die Einleitung frei sprechen. Am Tag selbst hilft, was der Wettbewerb den Kindern rät: vor dem Lesen tief durchatmen oder einen Schluck Wasser trinken, ruhig anfangen und nicht zu schnell lesen.
Nach dem Schulentscheid: Meldung, Kreisentscheid und was danach kommt
Gewinnt dein Kind den Schulentscheid, meldet die Lehrkraft es bis zum 15. Dezember 2026 online an. Die Schule darf die persönlichen Daten deines Kindes nicht selbst weitergeben. Deshalb bekommst du per E-Mail einen Link, trägst Name und Anschrift deines Kindes ein und bestätigst deine Einwilligung über einen zweiten Link. Laut Elterninformation sollen die Angaben bis zum 31. Dezember 2026 vollständig sein. Bestätigst du die E-Mail-Adresse auch nach einer Erinnerung nicht, wird sie nicht weiter genutzt, und du bekommst keine Informationen zum Wettbewerb mehr. Schau also auch in den Spam-Ordner. Gut zu wissen, bevor du einwilligst: Die Namen der Siegerkinder auf Regional-, Landes- und Bundesebene werden zusammen mit ihrer Schule auf den Websites des Wettbewerbs und der Veranstalter veröffentlicht. Name und Schule der Teilnehmenden können außerdem in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit genannt werden, auch in sozialen Netzwerken. Die Regionalentscheide, also die Stadt- und Kreisentscheide, sind meist öffentlich, und lokale Medien berichten laut Elterninformation häufig darüber, auch mit Fotos. Die Stadt- und Kreisentscheide finden im Februar 2027 statt, die Termine stehen ab Januar im Veranstaltungskalender auf vorlesewettbewerb.de. Dort liest dein Kind aus einem Buch von jemand anderem und wieder einen Fremdtext. Danach folgen der Bezirksentscheid von Mitte März bis Ende April, der Landesentscheid im Mai und das Finale im Juni 2027. Zu gewinnen gibt es je nach Stufe Urkunden, Buchpreise und Bücherschecks. Hat es diesmal nicht gereicht, bleiben trotzdem drei Wochen, in denen dein Kind täglich laut gelesen hat. Behaltet die fünf Minuten am Tag bei. Einen Anlass, das Vorlesen in der Familie weiterzuführen, bietet jedes Jahr der Bundesweite Vorlesetag im November. Was du die Lehrkraft zum Lesen fragen kannst, steht unter Elternsprechtag: Fragen zum Lesen. Die Fragen sind für die Grundschule geschrieben, die meisten passen auch in der 6. Klasse.
Quellen
- Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels - Einladung an die Schulen 2026/27 (68. Ausgabe, Termine, Meldeschluss 15. Dezember 2026, Jury aus 3–5 Personen)
- Vorlesewettbewerb - Regeln, Ablauf und Bewertung 2026/27 (Spielregeln und Teilnahmeinfos: Wahltext, Fremdtext, Kriterien, Punktvergabe)
- Vorlesewettbewerb - Bewertungsgrundsätze (Lesetechnik, Interpretation, Textstellenauswahl)
- Vorlesewettbewerb - Bewertungsbogen der Jury („Bewertet wird gutes Vorlesen, nicht Schauspielerei“)
- Vorlesewettbewerb - Regeln & Tipps (Teilnahme an Förderschulen, Comicromane, Bezirksentscheide, Tipps gegen Aufregung)
- Vorlesewettbewerb - Über den Wettbewerb (seit 1959, Schirmherrschaft des Bundespräsidenten)
- Vorlesewettbewerb - Vorlesetipps für die Kinder (Kopiervorlage)
- Vorlesewettbewerb - Tipps zum Vorlesen von Rufus Beck (Jurymitglied 2009)
- Vorlesewettbewerb - Information für die Eltern des Schulsiegerkindes (Datenübermittlung, Frist 31. Dezember 2026)
- Börsenverein des Deutschen Buchhandels - Stiftung Buchkultur und Leseförderung
- BiSS-Transfer - Lautleseverfahren: wiederholtes Lautlesen und chorisches Lesen