Lesegeschwindigkeit-Tabelle: Wörter pro Minute von der 1. bis zur 8. Klasse

WpM (Wörter pro Minute) zählt, wie viele Wörter dein Kind in einer Minute laut liest, bei einem Text auf seinem Niveau. Gezählt werden nur die richtig gelesenen Wörter - so macht es das Lautleseprotokoll, der Ein-Minuten-Test aus der Schule. Die Werte auf dieser Seite sind Orientierungswerte aus der Lesedidaktik (Rosebrock u. a.) und dem Bayerischen ISB - keine amtlichen Normen. Wie du selbst misst, steht unter Lesegeschwindigkeit zu Hause messen, oder du nutzt den Rechner weiter unten.

Orientierungswerte je Klasse (lautes Lesen, richtig gelesene Wörter pro Minute)

Die Spalte „Ende Schuljahr“ ist der Bezugswert. Herbst und Halbjahr sind daraus abgeleitet (rund 80 % und 92 % des Endwerts), genau so, wie es der Rechner weiter unten macht. Alle Werte gelten für lautes Lesen eines zusammenhängenden Textes auf Klassenniveau, eine Minute lang, Fehler abgezogen.

Orientierungswerte der Lesegeschwindigkeit je Klasse in richtig gelesenen Wörtern pro Minute, Herbst, Halbjahr und Ende des Schuljahres
KlasseAlterHerbstHalbjahrEnde SchuljahrQuelle / Status
1. Klasse6–7 J.3740Praxiswert 30–50, keine Norm
2. Klasse7–8 J.687885ISB Bayern 80–90
3. Klasse8–9 J.88101110Wiener Längsschnitt / Röttig u. a.
4. Klasse9–10 J.108124135ISB Bayern 130–140
5. Klasse10–11 J.116133145Fortschreibung
6. Klasse11–12 J.120138150Fortschreibung (Zürich: Hälfte 130–140)
7. Klasse12–13 J.122141153Plateau
8. Klasse13–14 J.124143155Plateau

Das Bayerische ISB (LehrplanPLUS) nennt für das Ende der 2. Klasse 80 bis 90 richtig gelesene Wörter pro Minute und für das Ende der 4. Klasse 130 bis 140; sehr gute Leserinnen und Leser kommen dort auf etwa 115 bzw. 165 WpM. Die Werte gehen auf Rosebrock, Gold, Nix und Rieckmann („Leseflüssigkeit fördern“, 2011) zurück. Für die 3. Klasse veröffentlicht das ISB keinen Wert; die 110 stammen aus der Wiener Längsschnittstudie, die Röttig u. a. 2021 zitieren, und passen zu deren Brandenburger Stichprobe (111 WpM auf einem geübten Text).

Warum „Orientierungswerte“ und nicht „Normen“? Weil es in Deutschland keinen standardisierten Test gibt, der lautes Lesen in Wörtern pro Minute normiert; die verbreiteten Schultests messen stilles Lesen. Der Wert für die 1. Klasse ist ein Praxiswert aus einer Bandbreite von 30 bis 50, keine Studienzahl. Ab der 5. Klasse sind die Zahlen eine Fortschreibung in Richtung eines Plateaus um 150 WpM. Wie die Werte im Einzelnen zustande kommen, steht im Überblick zur Lesegeschwindigkeit von der 1. bis zur 4. Klasse sowie auf den Seiten zur 1. Klasse, 2. Klasse, 3. Klasse und 4. Klasse.

Die drei Schwellen

Neben den Klassenwerten gibt es drei Marken, die in der Lesedidaktik immer wieder genannt werden, dazu eine Bedingung für die Genauigkeit.

Schwellenwerte der Lesegeschwindigkeit: 80, 90 und 100 Wörter pro Minute sowie 95 Prozent Genauigkeit, mit Bedeutung und Quelle
SchwelleBedeutungQuelle
80 WpMUntergrenze für flüssiges Lesen am Ende der 2. Klasse. Wer darunter bleibt, liest ein Jahr später selten flüssig.Röttig u. a. 2021
90 WpMUntergrenze für flüssiges Lesen am Ende der 3. Klasse.Röttig u. a. 2021
100 WpMRichtwert für verstehendes Lesen: „ab 100 WpM und nicht mehr als 5 Lesefehler“.Rosebrock & Nix 2008 / BiSS-Transfer / Bildungsdirektion Steiermark
95 % GenauigkeitVoraussetzung für verstehendes Lesen: höchstens etwa jedes zwanzigste Wort falsch.BiSS-Transfer, Lautleseprotokoll

Die 100-WpM-Marke wird in der Regel erst ab der 4. Klasse erreicht. Röttig u. a. weisen darauf hin, dass sie in der deutschen Lesedidaktik als Richtwert vorgeschlagen, aber nicht empirisch abgesichert ist. Für die 2. und 3. Klasse sind 80 und 90 WpM deshalb die realistischeren Marken. Beim wiederholten Lesen eines geübten Textes nennt BiSS-Transfer als Ziel 95 bis 100 Wörter pro Minute.

Rechner: WpM deines Kindes in einer Minute

Stoppe eine Minute, während dein Kind einen neuen Text auf Klassenniveau laut liest. Zähle die gelesenen Wörter und die Fehler, den Rest übernimmt der Rechner. Miss an drei verschiedenen Tagen und nimm den Mittelwert, eine einzelne Messung schwankt stark.

Interaktiver Rechner

WpM-Rechner für den Ein-Minuten-Test

Mach den Ein-Minuten-Test von oben und trag dann die Zahlen ein. Du bekommst eine Schätzung der korrekt gelesenen Wörter pro Minute (WpM) und siehst, wo dein Kind im Vergleich zu den Klassennormen nach Hasbrouck-Tindal steht.

Klasse
Jahreszeit

Der gezeigte Richtwert liegt bei ca. 100 % der Norm zum Schuljahresende.

Wörter und Fehler von Hand zählen? Das übernimmt Readigo für dich, während dein Kind liest.

Füll alle drei Felder aus, um das Ergebnis zu sehen.

Eine Schätzung, keine Diagnose. Nimm den Durchschnitt aus drei Durchgängen an verschiedenen Tagen, dann ist die Zahl verlässlich.

Wie du die Tabelle liest

Erstens: Die Werte hängen vom Zeitpunkt im Schuljahr ab. Die Spalte „Ende Schuljahr“ gilt für Juni oder Juli. Wenn du im November oder im Februar misst, ist dein Kind auf halbem Weg, und ein Wert unter dem Endwert ist normal. Vergleiche mit der Spalte, die zur Jahreszeit passt.

Zweitens: Die Richtung zählt mehr als die Momentaufnahme. Ein Kind, das in sechs Wochen von 55 auf 68 WpM kommt, ist auf einem guten Weg, auch wenn beide Zahlen unter dem Tabellenwert liegen. Miss alle zwei bis vier Wochen mit vergleichbaren Texten und schau auf die Kurve, nicht auf den einzelnen Punkt.

Drittens: Das Tempo ist ein Sieb, kein Ziel. Alle Werte setzen voraus, dass dein Kind versteht, was es liest. Ein Kind in der Mitte der Tabelle, das dir die Geschichte nacherzählen kann, ist weiter als eines über der Tabelle, das sich an nichts erinnert. Was hinter der Zahl steckt, erklärt der Text zur Leseflüssigkeit; den Vergleich mit internationalen Werten findest du im Überblick Lesegeschwindigkeit nach Klasse.

Liegt der Wert unter der Tabelle, hilft vor allem eines: täglich laut lesen, mit jemandem, der zuhört und Fehler sofort aufgreift. Readigo ist eine iOS-App für Kinder von 6 bis 12 Jahren. Sie hört zu, während dein Kind laut liest, und bewertet in Echtzeit Genauigkeit, Leseflüssigkeit, Lesetempo und Deutlichkeit, mit Igo, einem kleinen Drachen, als Lesecoach. Die Geschichten in der App sind derzeit auf Englisch, Spanisch, Französisch, Polnisch und Ukrainisch; eine deutsche Bibliothek ist in Vorbereitung. Für das Üben mit deutschem Text bleibt das Lautleseprotokoll zu Hause der Kern; die App hält die tägliche Routine am Laufen und zeigt dir die Entwicklung Woche für Woche. Wie das im Detail abläuft, steht unter So funktioniert Readigo.

Österreich und Schweiz

In Österreich heißt die Grundschule Volksschule, in der Schweiz Primarschule; die Orientierungswerte oben gelten dort genauso. Die Wiener Längsschnittdaten (80 / 110 / 130 WpM) sind ohnehin eine der wenigen deutschsprachigen Stichproben, und die Bildungsdirektion Steiermark arbeitet mit demselben 100-WpM-Richtwert. Was in den beiden Ländern anders ist, etwa die Zählung nach Schulstufen in Österreich oder der Lehrplan 21 in der Schweiz, steht unter Lesegeschwindigkeit in der Volksschule (Österreich) und Lesegeschwindigkeit und Lehrplan 21 (Schweiz); auf der Schweiz-Seite findest du auch die Preise in Franken.

Häufige Fragen

Wie viele Wörter pro Minute sollte ein Kind in der Grundschule lesen?

Als Orientierung für lautes Lesen am Ende des Schuljahres: etwa 40 WpM nach der 1. Klasse (Praxiswert 30 bis 50), 85 nach der 2. Klasse (ISB Bayern: 80 bis 90), 110 nach der 3. Klasse und 135 nach der 4. Klasse (ISB Bayern: 130 bis 140). Gezählt werden die richtig gelesenen Wörter in einer Minute bei einem Text auf Klassenniveau. Misst du mitten im Schuljahr, ist ein Wert unter dem Endwert normal - vergleiche dann mit der Spalte Herbst oder Halbjahr.

Warum gibt es keine offizielle Norm für Wörter pro Minute?

Weil in Deutschland kein standardisierter Test das laute Lesen in Wörtern pro Minute normiert. Die verbreiteten Schultests messen stilles Lesen und liefern andere Einheiten. Die Werte, mit denen Schulen arbeiten, stammen aus der Lesedidaktik (Rosebrock, Gold, Nix und Rieckmann) und werden vom Bayerischen ISB als Richtwerte für die 2. und 4. Klasse weitergegeben. Kein Bundesland schreibt verbindliche WpM-Werte vor. Deshalb sprechen wir von Orientierungswerten, nicht von Normen.

Wie messe ich die Lesegeschwindigkeit meines Kindes zu Hause?

Mit dem Lautleseprotokoll: Nimm einen neuen Text auf Klassenniveau, stelle eine Minute ein und lass dein Kind laut lesen, ohne es zwischendurch zu korrigieren. Zähle die gelesenen Wörter, zieh die Fehler ab und vergleiche mit der Spalte für die passende Jahreszeit. Wiederhole die Messung an drei verschiedenen Tagen und bilde den Mittelwert, denn eine einzelne Messung schwankt stark. Der Rechner auf dieser Seite übernimmt das Rechnen.

Was, wenn mein Kind unter dem Wert seiner Klasse liegt?

Prüfe zuerst, ob der Text zu schwer war und ob du mit der richtigen Jahreszeit verglichen hast. Bleibt der Wert deutlich darunter, hilft tägliches lautes Lesen von 10 bis 15 Minuten mit direkter Rückmeldung: wiederholtes Lesen desselben kurzen Textes oder ein Lautlesetandem, bei dem du halblaut mitliest. Liegt dein Kind am Ende der 2. Klasse unter etwa 80 WpM, sprich zusätzlich mit der Lehrkraft, denn Tempodefizite in diesem Alter halten sich hartnäckig (Röttig u. a. 2021).

Quellen

1. Klasse2. Klasse3. Klasse4. KlasseZu Hause messenMein Kind liest nicht flüssig
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