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Wie viele Wörter pro Minute in der 2. Klasse? Der Orientierungswert mit 7 bis 8 Jahren

Von Readigo-Redaktion · 2026-09-10 · 7 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Am Ende der 2. Klasse liest ein Kind, das im Plan ist, etwa 80 bis 90 richtig gelesene Wörter pro Minute (WpM) laut, in einem unbekannten Text auf Klassenniveau. Sehr gute Leserinnen und Leser kommen auf etwa 115. Das sind die Richtwerte, die das Bayerische Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) in seiner Serviceinformation zum LehrplanPLUS nennt, nach Rosebrock, Gold, Nix und Rieckmann (2011). Wir rechnen mit 85. Zwei Stichproben stützen den Wert: die Wiener Längsschnittstudie mit 80 WpM und eine Brandenburger Erhebung von Röttig, Schwerkolt und Nottbusch (2021) mit im Mittel 84,5 WpM. Im Herbst der 2. Klasse liegt ein Kind im Plan bei rund 68 WpM, zum Halbjahr bei rund 78. Es bleiben Orientierungswerte aus der Lesedidaktik, keine amtlichen Normen. Alle Klassen im Überblick: Lesegeschwindigkeit Klasse 1 bis 4.

So liest ein Kind in der 2. Klasse

Die 2. Klasse ist das Jahr der Automatisierung. In der 1. Klasse hat dein Kind die Buchstaben-Laut-Zuordnung gelernt und liest am Ende etwa 30 bis 50 WpM. In der 2. Klasse kommen kaum neue Buchstaben dazu. Was dazukommt, ist Tempo: Der Orientierungswert springt von rund 40 auf rund 85 WpM, er verdoppelt sich also - der größte Sprung der gesamten Grundschulzeit. Im September erlesen viele Zweitklässler noch Silbe für Silbe, mit Pausen vor langen Wörtern und einer Stimme, die am Satzende nicht heruntergeht, weil das Kind das Ende nicht kommen sieht. Im Juni erkennt ein Kind im Plan häufige Wörter (und, die, nicht, dann, auch) auf einen Blick, erliest nur noch unbekannte oder lange Wörter, hält am Punkt an und beginnt, in Sinneinheiten zu lesen. Dieser Übergang vom Erlesen zum direkten Wiedererkennen ist es, der die Zahl in einem Jahr verdoppelt. Zum Schuljahresende liest es Erstlesebücher der zweiten Lesestufe selbständig und kann erzählen, worum es ging. Warum dieses Jahr so viel Gewicht hat, zeigt die Brandenburger Studie: Kinder, die am Ende der 2. Klasse unter etwa 80 WpM lagen, lasen ein Jahr später selten flüssig. Röttig, Schwerkolt und Nottbusch sprechen von persistenten Tempodefiziten - was in Klasse 2 fehlt, holt sich in Klasse 3 nicht von selbst auf. Deshalb setzen sie die Untergrenze für flüssiges Lesen am Ende der 2. Klasse bei etwa 80 WpM an. Die nächste Stufe, der Übergang zu Sachtexten mit einem Orientierungswert von 110, steht unter Wörter pro Minute in der 3. Klasse.

Warum manche Kinder in der 2. Klasse hängen bleiben

Das Plateau in der 2. Klasse ist ein Klassiker: Ein Kind, das die 1. Klasse unauffällig abgeschlossen hat, scheint nicht weiterzukommen, während die Klasse davonzieht. Der häufigste Grund ist immer derselbe - das Dekodieren ist noch nicht automatisch. Solange dein Kind bei jedem Wort überlegen muss, wie aus Buchstaben Laute werden, bleibt kein Arbeitsgedächtnis für Tempo und Sinn übrig. Das ist keine Frage von Motivation oder Intelligenz, sondern von zu wenig Übung an gelingenden Texten, genau in dem Jahr, in dem die Schultexte länger werden. Typische Stolperstellen der 2. Klasse: - Merkwörter. Wörter, die sich nicht Laut für Laut erlesen lassen oder deren Schreibung man kennen muss (Vater, sie, ihm, Fahrrad, Stadt). Wer sie noch lautiert, verliert in jedem zweiten Satz Zeit. - Konsonantenhäufungen und mehrsilbige Wörter. Strumpf, Pflaume, Schmetterling, Geburtstag. Hier bricht das Tempo bei vielen Kindern hörbar ein. - Zu wenig Lesemenge. Tempo folgt der Menge. Ein Kind, das nur im Unterricht liest, sammelt zu wenige Kilometer. - Sehen und Aufmerksamkeit. Wer die Zeile verliert oder nach fünf Minuten wegdriftet, hat vielleicht gar kein Leseproblem, sondern ein anderes. Zwei Checks für zu Hause: - Blitzwörter. Schreib zehn häufige Wörter auf Zettel: und, die, der, sie, ist, nicht, auch, aber, dann, mit. Zeig sie einzeln für eine Sekunde. Alles, was dein Kind nicht sofort sagt, ist die erste Baustelle - und lässt sich mit drei Minuten Blitzlesen am Tag gezielt üben. - Zehn schwere Wörter. Such aus einem Buch der 2. Lesestufe zehn Wörter mit Konsonantenhäufung oder drei und mehr Silben heraus. Braucht dein Kind bei mehr als drei davon länger als drei Sekunden, übt ihr gezielt mit Silbenbögen und Wortbausteinen (Ge-burts-tag, Schmetter-ling).

Der Ein-Minuten-Test zu Hause

Die 2. Klasse ist das erste Jahr, in dem die Zahl wirklich etwas aussagt. Das Dekodieren läuft weit genug, dass das Tempo etwas über die Automatisierung verrät und nicht nur über den Tagesform-Zufall. Du brauchst eine Seite aus einem Erstlesebuch der zweiten Lesestufe oder aus dem Lesebuch der Schule, die dein Kind nicht kennt, und eine Stoppuhr. Eine Minute laut lesen, du zählst die Wörter und ziehst die Fehler ab. Wichtig: nicht mitten im Lesen korrigieren - das verfälscht die Messung und bremst dein Kind zusätzlich. Und dann kommt der Teil, den die meisten überspringen: den Wert dem richtigen Zeitpunkt zuordnen. Die 85 WpM gelten fürs Schuljahresende. Im Oktober ist ein Kind mit rund 68 genau im Plan, im Februar mit rund 78. Wer im Herbst 70 misst und mit 85 vergleicht, erschrickt ohne Grund. Miss zweimal an zwei Tagen mit verschiedenen Texten und nimm den Mittelwert. Zweitklässler ermüden schnell, und ein zäher Absatz kostet leicht 10 Wörter. Die vollständige Anleitung samt Fehlerregeln steht unter Lesegeschwindigkeit zu Hause messen, alle Werte in der Tabelle mit Rechner. Wenn du lieber ohne Stoppuhr anfängst, führt dich der Leseniveau-Test durch die Einschätzung.

Interaktiver Rechner

WpM-Rechner für den Ein-Minuten-Test

Mach den Ein-Minuten-Test von oben und trag dann die Zahlen ein. Du bekommst eine Schätzung der korrekt gelesenen Wörter pro Minute (WpM) und siehst, wo dein Kind im Vergleich zu den Klassennormen nach Hasbrouck-Tindal steht.

Klasse
Jahreszeit

Der gezeigte Richtwert liegt bei ca. 100 % der Norm zum Schuljahresende.

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Eine Schätzung, keine Diagnose. Nimm den Durchschnitt aus drei Durchgängen an verschiedenen Tagen, dann ist die Zahl verlässlich.

Was wirklich hilft: wiederholtes Lesen und Lautlesetandem

Wenn dein Kind unter dem Orientierungswert liegt, ist die Antwort nicht, länger zu lesen, sondern gezielter. In der 2. Klasse gibt es dafür zwei Hebel, die genau auf die Automatisierung zielen, um die es in diesem Jahr geht. - Wiederholtes Lesen. Ein Abschnitt von 80 bis 100 Wörtern, an drei bis vier Tagen hintereinander laut gelesen. Notier jedes Mal den WpM-Wert - der Sprung vom ersten zum dritten Durchgang liegt bei den meisten Kindern zwischen 20 und 40 Prozent, und dieser hörbare Fortschritt ist der halbe Motivationsgewinn. Der Effekt überträgt sich, weil dieselben häufigen Wörter im nächsten Text wieder auftauchen. Wähl den Text so, dass dein Kind bei höchstens jedem zwanzigsten Wort stolpert. - Blitzwörter gegen die Merkwörter-Bremse. Der typische Zweitklässler-Engpass sind nicht die langen Wörter, sondern die kurzen häufigen: und, die, sie, ist, nicht, auch, aber, dann. Wer die noch lautiert, verliert in jedem Satz Zeit. Drei Minuten am Tag mit zehn Wortkarten, jede eine Sekunde gezeigt, räumen das in wenigen Wochen ab. Dasselbe gilt für Wörter, deren Schreibung man kennen muss: Vater, ihm, Fahrrad, Stadt. - Lautlesetandem. Genau in diesem Schuljahr steigen die meisten Grundschulen darauf um: Zwei Kinder lesen als „Sportler“ und „Trainer“ denselben Text halblaut zusammen, der Trainer zeigt mit dem Finger mit und korrigiert. Untersucht ist das in Schulklassen. Zu Hause übernimmst du die Trainerrolle und ziehst deine Stimme zurück, sobald es läuft. Zehn Minuten am Tag, nicht eine Stunde am Sonntag. Passend für dieses Jahr: der Leserabe in der 2. Lesestufe, der Lesetiger und der Duden Leseprofi für die 2. Klasse. Wer zum Schuljahresende flüssig liest, schafft die ersten Bände von Der kleine Drache Kokosnuss. Mehr davon in unserer Bibliothek.

Wann du mit der Lehrkraft sprechen solltest

Ein siebenjähriges Kind, das langsam liest, ist nicht gescheitert. Was zählt, ist die Richtung: 55 WpM im November und 70 im März ist eine normale Entwicklung, auch wenn der Juni-Wert von 85 dann noch nicht erreicht wird. Die 2. Klasse ist trotzdem das Jahr, in dem sich Nachfragen am meisten auszahlt, und dafür gibt es einen konkreten Grund. Röttig, Schwerkolt und Nottbusch haben in Brandenburg nachgesehen, wie es Kindern ein Jahr später ging: Wer am Ende der 2. Klasse unter etwa 80 WpM lag, las in der 3. selten flüssig. Sie nennen Tempodefizite in diesem Jahr ausdrücklich persistent. Ein Jahr abzuwarten heißt hier also nicht, dem Kind Zeit zu geben, sondern den Abstand wachsen zu lassen. Bring das Thema bei der Lehrkraft auf, wenn nach sechs bis acht Wochen täglichem Üben eines davon bleibt: Der Wert steht still. Häufige Wörter werden im Frühjahr noch Buchstabe für Buchstabe erlesen. Wörter mit Konsonantenhäufung (Strumpf, Pflaume) brechen das Tempo jedes Mal ein. Oder das Lesen erschöpft dein Kind nach wenigen Minuten. Die Lehrkraft hört dein Kind täglich lesen und kann sagen, ob die Förderung im Unterricht reicht. Was du parallel zu Hause tun kannst, steht unter Mein Kind liest nicht flüssig. Der schwierigste Teil an täglichem lautem Lesen ist nicht die Methode, sondern das Dranbleiben an müden Abenden. Genau da setzt Readigo an: eine iOS-App für Kinder von 6 bis 12 Jahren, die zuhört, während dein Kind laut liest, und Genauigkeit, Leseflüssigkeit, Lesetempo und Deutlichkeit in Echtzeit bewertet. Ehrlich dazu: Die Geschichten sind derzeit auf Englisch, Spanisch, Französisch, Polnisch und Ukrainisch, eine deutsche Bibliothek ist in Vorbereitung. Fürs deutsche Lesetempo bleibt das Üben mit deutschem Text zu Hause der Kern. So funktioniert Readigo.

Quellen

Häufige Fragen

  • Wie viele Wörter pro Minute sollte ein Kind in der 2. Klasse lesen?

    Am Ende der 2. Klasse etwa 80 bis 90 richtig gelesene Wörter pro Minute laut, in einem unbekannten Text auf Klassenniveau. Sehr gute Leserinnen und Leser etwa 115. So die Richtwerte des Bayerischen ISB nach Rosebrock u. a. (2011). Wir rechnen mit 85. Die Wiener Längsschnittstudie kam auf 80, eine Brandenburger Stichprobe von 2021 auf 84,5. Im Herbst der 2. Klasse ist ein Kind mit rund 68 WpM im Plan, zum Halbjahr mit rund 78. Es sind Orientierungswerte, keine amtlichen Normen.

  • Mein Kind in der 2. Klasse liest langsam - ist das schlimm?

    Nicht an sich. Die 2. Klasse ist das Jahr, in dem das Dekodieren automatisch wird, und viele Kinder holen ein paar Monate Rückstand mit täglichem lautem Lesen in einem Vierteljahr auf. Schau auf die Richtung, nicht auf den einzelnen Wert. Ernst nehmen solltest du es, wenn der Wert nach sechs bis acht Wochen täglichem Üben nicht steigt oder dein Kind am Schuljahresende unter etwa 80 WpM liegt: Röttig, Schwerkolt und Nottbusch (2021) fanden, dass solche Kinder ein Jahr später selten flüssig lesen. Dann sprich mit der Lehrkraft.

  • Wie messe ich die Lesegeschwindigkeit meines Kindes in der 2. Klasse?

    Mit dem Lautleseprotokoll: ein unbekannter Text auf dem Niveau der 2. Klasse, genau eine Minute lautes Lesen, dann die gelesenen Wörter zählen und falsch gelesene, ausgelassene und vorgesagte Wörter abziehen. Selbstkorrekturen zählen nicht als Fehler. Das Ergebnis vergleichst du mit dem Zeitpunkt im Schuljahr: rund 68 WpM im Herbst, rund 78 zum Halbjahr, 85 am Schuljahresende. Mach zwei Durchgänge an zwei Tagen mit verschiedenen Texten.

  • Was ist wiederholtes Lesen, und wie geht ein Lautlesetandem zu Hause?

    Beim wiederholten Lesen liest dein Kind denselben Abschnitt von 80 bis 100 Wörtern an drei bis vier Tagen laut. Mit jedem Durchgang sinkt der Dekodieraufwand, und Tempo und Betonung steigen. Der Text soll so leicht sein, dass etwa 95 % der Wörter auf Anhieb gelingen. Im Lautlesetandem lest ihr denselben Text halblaut gemeinsam: Du übernimmst die Rolle des „Trainers“, führst den Finger mit, korrigierst und lobst, und wirst leiser, sobald dein Kind sicher wird. Zehn Minuten täglich reichen.

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