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Wie viele Wörter pro Minute in der 3. Klasse? Der Orientierungswert mit 8 bis 9 Jahren

Von Readigo-Redaktion · 2026-09-10 · 7 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Am Ende der 3. Klasse liest ein Kind, das im Plan ist, etwa 110 richtig gelesene Wörter pro Minute (WpM) laut, in einem unbekannten Text auf Klassenniveau. Der Wert stammt aus der Wiener Längsschnittstudie von Klicpera und Gasteiger-Klicpera (zitiert nach Röttig u. a. 2021). Eine Brandenburger Stichprobe von Röttig, Schwerkolt und Nottbusch (2021) kam auf 111 WpM an einem geübten Text und 94,9 WpM an einem unbekannten, altersgemäßen Text. Das Bayerische ISB veröffentlicht für die 3. Klasse keinen eigenen Richtwert; 110 liegt genau zwischen seinen Werten für die 2. Klasse (80 bis 90) und die 4. Klasse (130 bis 140). Als Untergrenze für flüssiges Lesen nennen Röttig u. a. am Ende der 3. Klasse etwa 90 WpM. Im Herbst liegt ein Kind im Plan bei rund 88, zum Halbjahr bei rund 101. Es sind Orientierungswerte aus der Lesedidaktik, keine amtlichen Normen. Alle Klassen im Überblick: Lesegeschwindigkeit Klasse 1 bis 4.

So liest ein Kind in der 3. Klasse

Die 3. Klasse ist das Jahr, in dem Lesen vom Ziel zum Werkzeug wird. In der 2. Klasse ging es darum, das Dekodieren zu automatisieren, mit einem Orientierungswert von 85 WpM am Ende. Jetzt setzen die Texte voraus, dass das sitzt: Sachtexte im Sachunterricht, Textaufgaben in Mathe, erste Kapitelbücher mit weniger Bildern und längeren Sätzen. Dazu kommt das leise Lesen, das im Unterricht mehr Raum bekommt - und das Probleme verdecken kann, weil niemand die Fehler hört. Im September liest ein Drittklässler im Plan erzählende Texte flüssig, stockt aber bei langen Wörtern und Fachbegriffen. Im Juni liest er auch unbekannte Sachtexte in Sinneinheiten, zerlegt zusammengesetzte Wörter von selbst (Feuer-wehr-auto) und passt das Tempo dem Text an: schneller bei der Geschichte, langsamer bei der Erklärung, wie ein Vulkan entsteht. Die Betonung wird zum Signal fürs Verstehen - wer am Komma anhält und die Frage als Frage liest, hat den Satz verstanden. Ein Wort zur Schwelle von 100 WpM, die oft genannt wird. Rosebrock und Nix (2008) haben sie als Richtwert für den Übergang zum flüssigen, verstehenden Lesen vorgeschlagen, bei etwa 95 % Genauigkeit. Röttig, Schwerkolt und Nottbusch weisen darauf hin, dass dieser Wert in der Regel erst ab Klasse 4 erreicht wird. Für die 3. Klasse setzen sie die Untergrenze bei etwa 90. Ein Drittklässler mit 95 WpM im Februar ist also im Plan, kein Sorgenfall. Die nächste Stufe, 130 bis 140 WpM vor dem Übergang auf die weiterführende Schule, steht unter Wörter pro Minute in der 4. Klasse.

Warum manche Kinder in der 3. Klasse hängen bleiben

In der 3. Klasse geht die Schere auf. Kinder, die flüssig lesen, lesen jetzt viel und werden dabei schneller. Kinder, die noch erlesen, meiden Text, lesen weniger und bleiben stehen. Die Ursachen, die wir am häufigsten sehen: - Lange Wörter und Zusammensetzungen. Klassenzimmertür, Geburtstagskuchen, Schulranzen. Ein Kind, das solche Wörter nicht in Bausteine zerlegt, sondern Buchstabe für Buchstabe erliest, verliert pro Wort mehrere Sekunden. - Sachtexte mit Fachwörtern. Photosynthese, Jahrhundert, Bundesland. Hier fällt die Zahl auch bei Kindern, die Geschichten flüssig lesen. Röttig u. a. haben genau das gemessen: 111 WpM auf dem geübten, 94,9 WpM auf dem schwereren Text - dasselbe Kind, 16 Wörter Unterschied. - Zu wenig Lesemenge. Tempo folgt der Menge, und in der 3. Klasse öffnet sich die Lücke zwischen Kindern, die abends freiwillig lesen, und Kindern, die nur im Unterricht lesen. - Sehen und Aufmerksamkeit. Zeilen springen, Kopfschmerzen beim Lesen, Einbruch nach fünf Minuten - das sind andere Gespräche, kein Leseproblem im engeren Sinn. - Lese-Rechtschreib-Störung. In der 3. Klasse fällt eine LRS oft erst richtig auf, weil das Kind sie nicht mehr überspielen kann. Ihr Kennzeichen ist nicht „langsam“, sondern „langsam trotz regelmäßiger Übung“. Die Schule kann eine Diagnostik anstoßen oder an den schulpsychologischen Dienst verweisen. Tägliches lautes Lesen unterstützt ein Kind mit LRS - eine Lerntherapie ersetzt es nicht. Den Unterschied zwischen langsamem Lesen und einer LRS erklärt Legasthenie oder einfach langsam?. Zwei Checks für zu Hause: - Zusammensetzungen zerlegen. Schreib fünf lange Wörter auf: Feuerwehrauto, Schulranzen, Klassenzimmer, Geburtstagskuchen, Sommerferien. Liest dein Kind sie in Bausteinen (Feuer-wehr-auto), sitzt die Technik. Lautiert es sie Buchstabe für Buchstabe, übt ihr genau das: Wörter mit dem Finger in Teile zerlegen und die Teile zusammensetzen. - Geschichte gegen Sachtext. Lass dein Kind je eine Minute aus einem Kinderroman und aus dem Sachunterrichtsbuch lesen. Liegt es bei der Geschichte um 100 und beim Sachtext deutlich unter 90, ist das Dekodieren in Ordnung - es fehlt am Fachwortschatz. Stell danach zwei Fragen zum Inhalt. Wer schnell liest und nichts wiedergeben kann, hat ein anderes Problem als wer langsam liest und alles versteht.

Der Ein-Minuten-Test zu Hause

In der 3. Klasse solltest du zweimal messen: an einer Geschichte und an einem Sachtext. Das ist der Unterschied zu den Vorjahren. In diesem Schuljahr kommen die ersten längeren Sachtexte aus dem Sachunterricht dazu, und dort zeigt sich eine Leseschwäche zuerst - die Sätze sind länger, die Wörter unbekannter, und es gibt keine Handlung, die das Kind trägt. Nimm jeweils eine Seite auf Klassenniveau, die dein Kind nicht kennt, und stopp eine Minute lautes Lesen. Der Abstand zwischen beiden Werten ist aufschlussreich: Röttig, Schwerkolt und Nottbusch maßen bei Drittklässlern 94,9 WpM auf einem altersgemäßen Text und 111 auf einem leichteren, geübten - über 15 Wörter Unterschied allein durch die Textwahl. Ein Kind, das an der Geschichte 105 und am Sachtext 70 liest, hat kein Tempoproblem, sondern ein Wortschatzproblem. Zähl die Fehler diesmal mit. Mehr als fünf pro Minute heißt: Der Text ist zu schwer oder das Dekodieren sitzt noch nicht - unabhängig davon, wie das Tempo aussieht. Die 110 WpM gelten fürs Schuljahresende, im Herbst sind rund 88 im Plan, zum Halbjahr rund 101. Die Untergrenze für flüssiges Lesen liegt in diesem Jahr bei etwa 90 WpM. Anleitung im Detail: Lesegeschwindigkeit zu Hause messen. Alle Werte: Tabelle mit Rechner.

Interaktiver Rechner

WpM-Rechner für den Ein-Minuten-Test

Mach den Ein-Minuten-Test von oben und trag dann die Zahlen ein. Du bekommst eine Schätzung der korrekt gelesenen Wörter pro Minute (WpM) und siehst, wo dein Kind im Vergleich zu den Klassennormen nach Hasbrouck-Tindal steht.

Klasse
Jahreszeit

Der gezeigte Richtwert liegt bei ca. 100 % der Norm zum Schuljahresende.

Wörter und Fehler von Hand zählen? Das übernimmt Readigo für dich, während dein Kind liest.

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Eine Schätzung, keine Diagnose. Nimm den Durchschnitt aus drei Durchgängen an verschiedenen Tagen, dann ist die Zahl verlässlich.

Was wirklich hilft: wiederholtes Lesen und Lautlesetandem

Ab der 3. Klasse ändert sich, woran geübt wird. Die Buchstaben sitzen. Was fehlt, ist Tempo an Texten, die inhaltlich etwas verlangen. Deshalb gehören Sachtexte jetzt in die Übung hinein und nicht nur in die Hausaufgaben. - Wiederholtes Lesen an einem Sachtext. Nimm einen Abschnitt von 80 bis 100 Wörtern aus dem Sachunterricht, mit den Fachwörtern, die gerade dran sind. Über drei bis vier Tage jeden Tag einmal laut. Der Nebeneffekt zählt fast mehr als das Tempo: Die Fachwörter sitzen anschließend, und der nächste Text derselben Einheit fällt leichter. BiSS-Transfer nennt für das wiederholte Lesen 95 bis 100 WpM als Zielmarke - für einen Drittklässler eine realistische Größe. - Wörter vorher klären. Zwei Minuten, bevor dein Kind loslegt: Ihr geht den Abschnitt durch und du sagst die drei oder vier Wörter, die es sicher nicht kennt, einmal vor und erklärst sie. Das kostet fast nichts und nimmt genau die Stolperstellen weg, die den Wert am Sachtext drücken. - Lautlesetandem. Zwei Leserinnen und Leser lesen denselben Text halblaut gemeinsam, eine führt den Finger mit und korrigiert. Rosebrock berichtet aus Studien Effekte bei Neunjährigen in der Grundschule und deutlichere bei Zwölfjährigen aus dem schwächsten Fünftel eines Jahrgangs. Untersucht ist das im Klassenzimmer. Zu Hause übernimmst du die zweite Rolle und wirst leiser, sobald dein Kind trägt. - Chorisches Lesen für schwierige Passagen: Ihr lest denselben Satz gleichzeitig, im selben Tempo. Gut geeignet, wenn die Satzmelodie eines Sachtexts das Verstehen trägt. Passend für dieses Jahr: der Leserabe in der 3. Lesestufe und der Duden Leseprofi für die 3. Klasse für Kinder, die noch Struktur brauchen; Der kleine Drache Kokosnuss und zum Schuljahresende Das Sams von Paul Maar für Kinder im Plan; Die Schule der magischen Tiere für alle, die deutlich darüber liegen. Mehr in unserer Bibliothek.

Wann du mit der Lehrkraft sprechen solltest

Ein Drittklässler mit 85 WpM im Oktober ist nicht in Schwierigkeiten. Steht er im März bei 100, ist er auf Kurs. Steht er im März immer noch bei 85, ist das der Wert, über den du sprechen solltest. Die 3. Klasse ist der Zeitpunkt, an dem eine Lesediagnostik wirklich sinnvoll wird - früher ist die Streuung zu groß, später wächst der Abstand zu schnell. In Deutschland läuft der Weg dahin über die Schule: Du sprichst mit der Lehrkraft, die Schule kann eine Förderdiagnostik anstoßen und einen Förderplan aufsetzen, und bei Verdacht auf eine Lese-Rechtschreib-Störung vermittelt sie an den schulpsychologischen Dienst. Zwei Begriffe, die dabei oft durcheinandergehen: LRS ist der schulische Begriff für anhaltende Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben, Legasthenie die Diagnose dahinter. Eine Lerntherapie ist eine fachliche Leistung. Alles, was du und wir zu Hause tun, ergänzt sie und ersetzt sie nicht. Sprich die Lehrkraft an, wenn nach sechs bis acht Wochen täglichem Üben eines davon bleibt: Der Wert steht still. Verwechslungen von b und d oder ie und ei halten sich, obwohl sie in diesem Jahr abgeschlossen sein sollten. Dein Kind liegt am Schuljahresende unter etwa 90 WpM. Oder Hausaufgaben mit längeren Texten enden regelmäßig in Tränen. Woran du erkennst, dass dein Kind hinter der Klasse zurückbleibt, steht unter Anzeichen, dass dein Kind unter dem Klassenniveau liest. Für die Abende dazwischen: Readigo ist eine iOS-App für Kinder von 6 bis 12 Jahren, die zuhört, während dein Kind laut liest, und Genauigkeit, Leseflüssigkeit, Lesetempo und Deutlichkeit in Echtzeit bewertet - mit einer Spracherkennung, die auf Kinderstimmen abgestimmt ist. Die Geschichten sind derzeit auf Englisch, Spanisch, Französisch, Polnisch und Ukrainisch. Für Drittklässler, die in der Schule mit Englisch anfangen, ist das ein Nebeneffekt, eine deutsche Bibliothek ist in Vorbereitung. So funktioniert Readigo.

Quellen

Häufige Fragen

  • Wie viele Wörter pro Minute sollte ein Kind in der 3. Klasse lesen?

    Am Ende der 3. Klasse etwa 110 richtig gelesene Wörter pro Minute laut, in einem unbekannten Text auf Klassenniveau. Der Wert stammt aus der Wiener Längsschnittstudie. Eine Brandenburger Stichprobe (Röttig u. a. 2021) kam auf 111 WpM an einem geübten und 94,9 an einem schwereren Text. Als Untergrenze für flüssiges Lesen gelten am Ende der 3. Klasse etwa 90 WpM. Im Herbst ist ein Kind mit rund 88 WpM im Plan, zum Halbjahr mit rund 101. Das Bayerische ISB nennt für die 3. Klasse keinen eigenen Wert. Es sind Orientierungswerte, keine amtlichen Normen.

  • Mein Kind in der 3. Klasse liest langsam - ist das schlimm?

    Nicht automatisch. Die oft genannte Schwelle von 100 WpM wird laut Röttig, Schwerkolt und Nottbusch in der Regel erst ab Klasse 4 erreicht. Ein Drittklässler mit 95 WpM im Februar ist im Plan. Schau auf die Richtung über sechs bis acht Wochen täglichem Üben. Ernst wird es, wenn der Wert nicht steigt, dein Kind am Schuljahresende unter etwa 90 WpM liegt oder es trotz regelmäßiger Übung langsam bleibt - das ist das Muster, bei dem die Lehrkraft eine Diagnostik auf Lese-Rechtschreib-Störung anstoßen kann.

  • Wie messe ich die Lesegeschwindigkeit meines Kindes in der 3. Klasse?

    Mit dem Lautleseprotokoll: ein unbekannter Text auf dem Niveau der 3. Klasse, genau eine Minute lautes Lesen, dann die gelesenen Wörter zählen und falsch gelesene, ausgelassene und vorgesagte Wörter abziehen. Selbstkorrekturen zählen nicht als Fehler. Vergleich das Ergebnis mit dem Zeitpunkt im Schuljahr: rund 88 WpM im Herbst, rund 101 zum Halbjahr, 110 am Schuljahresende. Achte auf das Klassenniveau des Textes - ein zu schwerer Sachtext drückt den Wert um 15 Wörter und mehr. Mach zwei Durchgänge an zwei Tagen.

  • Was ist wiederholtes Lesen, und wie geht ein Lautlesetandem zu Hause?

    Beim wiederholten Lesen liest dein Kind denselben Abschnitt von 80 bis 100 Wörtern an drei bis vier Tagen laut, bis er flüssig klingt. BiSS-Transfer nennt als Zielmarke 95 bis 100 WpM. Der Text soll so leicht sein, dass etwa 95 % der Wörter auf Anhieb gelingen. Im Lautlesetandem lest ihr denselben Text halblaut gemeinsam: Du übernimmst die Rolle des „Trainers“, führst den Finger mit, korrigierst und lobst, und wirst leiser, sobald dein Kind sicher wird. Untersucht ist das Verfahren in Schulklassen. Zehn Minuten täglich zu Hause reichen.

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