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Wie viele Wörter pro Minute in der 4. Klasse? Der Orientierungswert mit 9 bis 10 Jahren

Von Readigo-Redaktion · 2026-09-10 · 7 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Am Ende der 4. Klasse liest ein Kind, das im Plan ist, etwa 130 bis 140 richtig gelesene Wörter pro Minute (WpM) laut, in einem unbekannten Text auf Klassenniveau. Sehr gute Leserinnen und Leser kommen auf etwa 165. Das sind die Richtwerte des Bayerischen Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) in seiner Serviceinformation zum LehrplanPLUS, nach Rosebrock, Gold, Nix und Rieckmann (2011). Wir rechnen mit 135. Die Wiener Längsschnittstudie kam auf 130. Im Herbst der 4. Klasse liegt ein Kind im Plan bei rund 108 WpM, zum Halbjahr bei rund 124. Davon zu unterscheiden ist das Minimum, das in Österreich und der Schweiz für das Ende der 4. Klasse kursiert: „mindestens 100 Wörter pro Minute“ - eine Untergrenze für verstehendes Lesen, kein Durchschnitt. Es bleiben Orientierungswerte aus der Lesedidaktik, keine amtlichen Normen. Alle Klassen im Überblick: Lesegeschwindigkeit Klasse 1 bis 4.

So liest ein Kind in der 4. Klasse

Die 4. Klasse ist das letzte Grundschuljahr und in den meisten Bundesländern das Jahr des Übergangs: Übertrittszeugnis in Bayern, Grundschulempfehlung anderswo, überall die Frage, welche weiterführende Schule es wird. Lesen ist dabei kein Fach mehr, sondern die Voraussetzung für alle Fächer. Wer den Sachtext im Sachunterricht, die Textaufgabe in Mathe und die Arbeitsanweisung auf dem Arbeitsblatt nicht flüssig liest, hat in jedem Fach ein Problem, das nicht nach Lesen aussieht. Im September liest ein Viertklässler im Plan Kinderromane selbständig und leise, laut liest er erzählende Texte flüssig und mit Betonung. In der 3. Klasse hat er den Orientierungswert von 110 erreicht. Im Juni liest er auch unbekannte Sachtexte in Sinneinheiten, überfliegt eine Seite nach einer Information und wechselt zwischen schnellem und genauem Lesen, je nachdem, was die Aufgabe verlangt. Die Schwelle von 100 WpM, die Rosebrock und Nix (2008) als Richtwert für flüssiges, verstehendes Lesen vorgeschlagen haben, wird laut Röttig, Schwerkolt und Nottbusch (2021) in der Regel in diesem Schuljahr erreicht. Die Bildungsdirektion Steiermark fasst die Faustregel so: verstehendes Lesen „ab 100 WpM und bei nicht mehr als 5 Lesefehlern“. Warum das Jahr so viel Gewicht hat, zeigt die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU 2021: Der Anteil der Viertklässlerinnen und Viertklässler in Deutschland, die die mittlere Kompetenzstufe III nicht erreichen, ist von 17 % im Jahr 2001 auf 25 % im Jahr 2021 gestiegen. IGLU misst Leseverständnis, nicht Tempo. Aber jedes vierte Kind verlässt die Grundschule, ohne Texte sicher zu verstehen - und Leseflüssigkeit ist der Teil davon, den du zu Hause messen und trainieren kannst. Nach der 4. Klasse flacht die Kurve ab: In der 5. Klasse rechnen wir mit 145, in der 6. mit 150 WpM. Die Entwicklung bis zur 8. Klasse steht unter Lesegeschwindigkeit nach Klasse.

Warum manche Kinder in der 4. Klasse hängen bleiben

In der 4. Klasse ist langsames Lesen selten neu. Meist ist es eine Lücke aus der 2. oder 3. Klasse, die mitgeschleppt wurde, weil das leise Lesen im Unterricht sie verdeckt hat. Was wir am häufigsten sehen: - Dekodieren, das nie automatisch wurde. Das Kind liest Merkwörter und häufige Wörter zwar richtig, aber nicht auf einen Blick. Bei 135 WpM bleibt für jedes Wort weniger als eine halbe Sekunde - wer noch erliest, kommt nicht dorthin. - Lange Wörter, Fremdwörter, Fachbegriffe. Umweltverschmutzung, Demokratie, Verdauungssystem. Sachtexte der 4. Klasse sind voll davon, und jedes nicht zerlegte Wort kostet Sekunden. - Zu wenig Lesemenge. Kinder, die langsam lesen, lesen weniger, begegnen weniger Wörtern und bleiben langsam. Die Lücke zu den Mitschülerinnen und Mitschülern wächst in diesem Jahr am schnellsten. - Sehen und Aufmerksamkeit. Zeilen verlieren, Kopfschmerzen, Einbruch nach fünf Minuten - eigene Themen, die vor dem Lesetraining geklärt gehören. - Lese-Rechtschreib-Störung. Ein Kind, das seit zwei Jahren regelmäßig übt und immer noch klar unter dem Orientierungswert liegt, zeigt das Muster, bei dem die Lehrkraft eine Diagnostik anstoßen sollte - über die Schule oder den schulpsychologischen Dienst. Für den Übergang zählt das doppelt, weil ein Nachteilsausgleich in der weiterführenden Schule eine Diagnose voraussetzt. Tägliches lautes Lesen unterstützt ein Kind mit LRS. Eine Lerntherapie ersetzt es nicht. Zwei Checks für zu Hause: - Der Sachtext-Check. Lass dein Kind eine Minute aus einem unbekannten Sachtext auf Klassenniveau laut lesen und zähl Wörter und Fehler. Unter 100 WpM oder mehr als fünf Fehler heißt: Dieser Text wird nicht verstehend gelesen, egal wie gut die Noten in Deutsch sind. Liest dein Kind Geschichten flüssig und Sachtexte nicht, liegt es am Fachwortschatz, nicht am Dekodieren. - Der Verstehens-Check. Nach einer Seite aus einem neuen Kinderroman zwei Fragen: Wer war das? Was ist gerade passiert? Ein Kind, das schnell liest und nichts wiedergeben kann, ist kein guter Leser - es sagt Wörter auf. Achte auch darauf, ob es eigene Fehler bemerkt und korrigiert. Wer über sinnentstellende Fehler hinwegliest, hat den Text nicht verfolgt.

Der Ein-Minuten-Test zu Hause

Vor dem Übergang lohnt eine ehrliche Bestandsaufnahme - und zwar an dem Textsorte, die dein Kind ab der 5. Klasse bekommt. Nimm nicht sein Lieblingsbuch, sondern eine Seite aus dem Lesebuch der 4. Klasse oder einen Sachtext, wie er in einer Klassenarbeit vorkäme. Eine Minute laut, Wörter zählen, Fehler abziehen. Zwei Zahlen aus diesem Durchgang zählen, nicht eine. Die erste ist das Tempo: 135 WpM sind der Wert fürs Schuljahresende, rund 108 im Herbst, rund 124 zum Halbjahr. Die zweite ist die Genauigkeit - richtig gelesene Wörter geteilt durch alle gelesenen Wörter. Liegt sie unter etwa 95 %, sagt das Tempo wenig aus, weil dein Kind an einem zu schweren Text gemessen wurde. Die 4. Klasse ist auch das Jahr, in dem der viel zitierte Richtwert von 100 WpM realistisch erreichbar wird. Rosebrock und Nix nennen ihn als Schwelle zum verstehenden Lesen. Röttig, Schwerkolt und Nottbusch weisen darauf hin, dass er in der Regel eben erst in diesem Schuljahr erreicht wird - wer ihn in der 2. oder 3. Klasse als Maßstab anlegt, misst am falschen Jahr. Ausführlich: Lesegeschwindigkeit zu Hause messen. Alle Werte im Überblick: Tabelle mit Rechner.

Interaktiver Rechner

WpM-Rechner für den Ein-Minuten-Test

Mach den Ein-Minuten-Test von oben und trag dann die Zahlen ein. Du bekommst eine Schätzung der korrekt gelesenen Wörter pro Minute (WpM) und siehst, wo dein Kind im Vergleich zu den Klassennormen nach Hasbrouck-Tindal steht.

Klasse
Jahreszeit

Der gezeigte Richtwert liegt bei ca. 100 % der Norm zum Schuljahresende.

Wörter und Fehler von Hand zählen? Das übernimmt Readigo für dich, während dein Kind liest.

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Eine Schätzung, keine Diagnose. Nimm den Durchschnitt aus drei Durchgängen an verschiedenen Tagen, dann ist die Zahl verlässlich.

Was wirklich hilft: wiederholtes Lesen und Lautlesetandem

Ein Schuljahr reicht, um etwas zu bewegen - wenn geübt wird, weil Dienstag ist, und nicht, weil eine Klassenarbeit ansteht. In der 4. Klasse funktioniert dabei anderes als in der 2.: Zehnjährige lassen sich nicht mehr gern beim Lesen zuhören, aber sie mögen messbare Bestzeiten. - Lautlesetandem, jetzt der wichtigste Hebel. Zwei lesen denselben Text halblaut gemeinsam, eine Person führt mit dem Finger, korrigiert und lobt, der Text wird mehrmals gelesen. Die stärksten dokumentierten Effekte gibt es bei genau dieser Altersgruppe und darüber: Rosebrock berichtet deutliche Zuwächse bei Zwölfjährigen aus dem schwächsten Fünftel eines Jahrgangs, und in Zürcher Primarschulen läuft das Verfahren bis in die 6. Klasse, dreimal 20 Minuten pro Woche. Zu Hause übernimmst du die zweite Rolle. - Längere Abschnitte, aufgeschriebene Zeiten. Statt 80 Wörter darf es jetzt eine halbe Seite sein. Notiert die WpM nach jedem Durchgang wie eine Bestzeit - das ist die Version des wiederholten Lesens, die ein Zehnjähriger freiwillig mitmacht. - Laut und leise auseinanderhalten. Ab diesem Alter liest dein Kind in der Schule vor allem leise, und leise geht es etwa anderthalbmal so schnell wie laut. Ein guter leiser Leser kann trotzdem beim lauten Lesen stolpern. Gemessen und geübt wird laut, weil du nur dort die Fehler hörst. - Lesemenge in selbst gewählten Büchern. Der stärkste Faktor in diesem Jahr ist schlicht, wie viele Seiten zusammenkommen. Comics, Reihen und Witzebücher zählen voll. Passend für dieses Jahr: Die Schule der magischen Tiere und Das Sams von Paul Maar für Kinder im Plan. Gregs Tagebuch für alle, die viel Text scheuen - kurze Absätze und Zeichnungen senken die Hürde, die Lesemenge kommt trotzdem zusammen. Mehr in unserer Bibliothek.

Wann du mit der Lehrkraft sprechen solltest

Ein Viertklässler mit 105 WpM im Oktober ist nicht in Schwierigkeiten. Steht er im März bei 125, ist er auf Kurs. Steht er im März immer noch bei 105, ist das der Wert, über den du sprechen solltest - und zwar vor dem Übergang, nicht danach. Der Grund ist der Sprung, der auf dein Kind zukommt. In der 5. Klasse liegt der Orientierungswert bei 145 WpM, und die Texte setzen dieses Tempo voraus, ohne dass es noch jemand einzeln übt. Ein Kind, das die Grundschule mit 90 WpM verlässt, holt diesen Abstand in der weiterführenden Schule fast nie von allein auf. Dass das kein Randproblem ist, zeigt IGLU 2021: Der Anteil der Viertklässlerinnen und Viertklässler, die nicht die mittlere Kompetenzstufe III erreichen, stieg von 17 % im Jahr 2001 auf 25 % - jedes vierte Kind. Zwei Dinge kannst du in diesem Gespräch konkret ansprechen. Ein Förderplan hält schriftlich fest, woran gearbeitet wird und woran der Fortschritt gemessen wird. Ein Nachteilsausgleich kann bei festgestellter Lese-Rechtschreib-Störung zum Beispiel mehr Zeit bei Arbeiten bedeuten - und er ist etwas, das die Grundschule an die weiterführende Schule weitergeben kann, wenn er jetzt dokumentiert wird. Frag außerdem, ob die Lehrkraft eine Diagnostik für sinnvoll hält. Alles, was du zu Hause tust, ergänzt eine Lerntherapie und ersetzt sie nicht. Bring das Thema auf, wenn nach sechs bis acht Wochen täglichem Üben eines davon bleibt: Der Wert steht still. Dein Kind liegt am Schuljahresende unter 100 WpM oder macht mehr als fünf Fehler pro Minute. Es meidet alles mit Text. Woran du erkennst, dass dein Kind hinter der Klasse zurückbleibt, steht unter Anzeichen, dass dein Kind unter dem Klassenniveau liest. Readigo hält die tägliche Übung an den Abenden am Laufen, an denen 15 Minuten gemeinsames Lesen nicht drin sind: eine iOS-App für Kinder von 6 bis 12 Jahren, die zuhört, während dein Kind laut liest, und Genauigkeit, Leseflüssigkeit, Lesetempo und Deutlichkeit in Echtzeit bewertet. Die Geschichten sind derzeit auf Englisch, Spanisch, Französisch, Polnisch und Ukrainisch - für Viertklässler mit Englisch als Fach ein Nebeneffekt -, eine deutsche Bibliothek ist in Vorbereitung. So funktioniert Readigo.

Quellen

Häufige Fragen

  • Wie viele Wörter pro Minute sollte ein Kind in der 4. Klasse lesen?

    Am Ende der 4. Klasse etwa 130 bis 140 richtig gelesene Wörter pro Minute laut, in einem unbekannten Text auf Klassenniveau. Sehr gute Leserinnen und Leser etwa 165. So die Richtwerte des Bayerischen ISB nach Rosebrock u. a. (2011). Die Wiener Längsschnittstudie kam auf 130. Wir rechnen mit 135. Im Herbst der 4. Klasse ist ein Kind mit rund 108 WpM im Plan, zum Halbjahr mit rund 124. Das in Österreich und der Schweiz genannte „mindestens 100 Wörter pro Minute“ ist ein Minimum für verstehendes Lesen, kein Durchschnitt. Es sind Orientierungswerte, keine amtlichen Normen.

  • Mein Kind in der 4. Klasse liest langsam - ist das schlimm?

    Es ist ein Signal, das du vor dem Übergang ernst nehmen solltest, ohne in Panik zu geraten. Schau auf die Richtung über sechs bis acht Wochen täglichem Üben: Ein Kind, das von 105 auf 125 WpM kommt, ist auf Kurs. Ernst wird es, wenn der Wert nicht steigt, dein Kind am Schuljahresende unter 100 WpM liegt oder regelmäßig mehr als fünf Fehler pro Minute macht - dann verstehend zu lesen gelingt nicht, und die weiterführende Schule setzt genau das voraus. Ein Kind, das seit zwei Jahren übt und trotzdem klar darunter bleibt, sollte auf eine Lese-Rechtschreib-Störung untersucht werden.

  • Wie messe ich die Lesegeschwindigkeit meines Kindes in der 4. Klasse?

    Mit dem Lautleseprotokoll: ein unbekannter Text auf dem Niveau der 4. Klasse, genau eine Minute lautes Lesen, dann die gelesenen Wörter zählen und falsch gelesene, ausgelassene und vorgesagte Wörter abziehen. Selbstkorrekturen zählen nicht als Fehler. Vergleich das Ergebnis mit dem Zeitpunkt im Schuljahr: rund 108 WpM im Herbst, rund 124 zum Halbjahr, 135 am Schuljahresende. Rechne die Genauigkeit mit - sie sollte bei etwa 95 % liegen. Mach zwei Durchgänge an zwei Tagen mit verschiedenen Texten.

  • Was ist wiederholtes Lesen, und wie geht ein Lautlesetandem zu Hause?

    Beim wiederholten Lesen liest dein Kind denselben Abschnitt von 80 bis 100 Wörtern an drei bis vier Tagen laut, du notierst jedes Mal den WpM-Wert. Mit jedem Durchgang sinkt der Dekodieraufwand, Tempo und Betonung steigen. Der Text soll so leicht sein, dass etwa 95 % der Wörter auf Anhieb gelingen. Im Lautlesetandem lest ihr denselben Text halblaut gemeinsam: Du übernimmst die Rolle des „Trainers“, führst den Finger mit, korrigierst und lobst, und wirst leiser, sobald dein Kind sicher wird. Untersucht ist das Verfahren in Schulklassen. Zehn Minuten täglich zu Hause reichen.

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