Lesetests in der Grundschule: Stolperwörter-Lesetest, Lesequotient und was das Ergebnis bedeutet
Von Readigo-Redaktion · 2026-11-02 · 14 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Neben dem Unterricht prüfen viele Grundschulen das Lesen auch mit standardisierten Tests. Der Stolperwörter-Lesetest misst, wie schnell und sicher ein Kind Sätze still liest: In jedem Satz steht ein Wort, das nicht passt, und das Kind streicht es durch. Das Salzburger Lese-Screening misst das Lesetempo mit einfachen Sätzen, die das Kind als richtig oder falsch beurteilt, und liefert einen Lesequotienten, dessen Mittelwert bei 100 liegt. ELFE II prüft das Leseverständnis auf Wort-, Satz- und Textebene. VERA-3 zeigt in der 3. Klasse, wie weit die Kinder die Bildungsstandards erreichen, und wird nicht benotet. Ob dein Kind eine Lese-Rechtschreib-Störung hat, zeigt ein einzelnes Testergebnis nicht. Ein niedriger Wert ist ein Anlass, mit der Lehrkraft zu sprechen, zu Hause beim lauten Lesen zuzuhören und jeden Tag ein paar Minuten zu üben. Die Testblätter vorher zu üben, bringt nichts.
Welche Lesetests Grundschulen nutzen
Ein Lesetest in der Grundschule ist ein standardisiertes Verfahren: Alle Kinder lösen unter denselben Bedingungen dieselben Aufgaben, und die Ergebnisse werden an einer großen Vergleichsgruppe derselben Klassenstufe gemessen. Er ist eine Momentaufnahme, die der Lehrkraft zeigt, welche Kinder beim Lesen Unterstützung brauchen. Welche Tests eingesetzt werden, ist von Schule zu Schule und von Land zu Land verschieden. Von diesen Verfahren hören Eltern in Deutschland am ehesten, etwa in einem Elternbrief oder beim Elternsprechtag:
| Test | Klasse | Was er misst | So läuft er ab | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Stolperwörter-Lesetest (STOLLE) | Ende der 1. bis 4. Klasse | Tempo und Sicherheit beim stillen Lesen von Sätzen | 45 Sätze am Ende der 1. Klasse, sonst 60, in jedem ein unpassendes Wort durchstreichen, 4 bis 10 Minuten je nach Klasse | Prozentrang |
| Salzburger Lese-Screening (SLS 2–9) | 2. bis 9. Klasse | Lesetempo bei einfachen Sätzen | Sätze lesen und beurteilen, ob sie stimmen, 3 Minuten Bearbeitungszeit | Lesequotient |
| ELFE II | Ende der 1. bis Anfang der 7. Klasse | Leseverständnis auf Wort-, Satz- und Textebene | drei Teile (Wort zum Bild, Lückensätze, Fragen zu Texten), auf Papier oder am Computer | Prozentrang und T-Wert |
| VERA-3 | 3. Klasse | Kompetenzen nach den Bildungsstandards, in Deutsch unter anderem Lesen | Vergleichsarbeit im Frühjahr, 2027 zwischen dem 12. April und dem 26. Mai | Kompetenzstufe, keine Note |
| Lautleseprotokoll | ab der 2. Klasse | Genauigkeit und Tempo beim lauten Lesen | eine Minute lang einen unbekannten Text laut lesen, die Lehrkraft markiert Fehler | richtig gelesene Wörter pro Minute, Genauigkeit in Prozent |
Die ersten beiden Tests messen also vor allem, wie schnell ein Kind still liest. ELFE II schaut stärker auf das Verstehen, VERA-3 auf die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz. Das Lautleseprotokoll ist das einzige Verfahren in der Liste, bei dem ein Erwachsener dem Kind beim Lesen zuhört. In Österreich nutzen Lehrpersonen das Salzburger Lese-Screening als Test für die ganze Klasse, um zu sehen, welche Kinder Förderung brauchen. So beschreibt es die Bildungsdirektion Tirol. Dazu kommt in der 3. und 4. Schulstufe der Volksschule die iKM PLUS, eine Kompetenzerhebung in Deutsch und Mathematik mit einem verpflichtenden Lesemodul. In der Schweiz arbeiten die Kantone mit eigenen Verfahren. Welcher Test an eurer Schule verwendet wird, weiß die Lehrperson.
Demo
Was die App bei einem kurzen Text hört
Die Demo startet von selbst. Der Text leuchtet Wort für Wort auf, so wie die App einem Kind beim lauten Lesen folgt. Wo das Kind stockt, geht es langsamer weiter. So folgt Readigo deinem Kind auch bei den deutschen Geschichten in der App.
Der Fuchs Milo fand einen roten Papierdrachen, der hoch in der alten Eiche feststeckte, und zog daran, bis er sich löste.
Schwierige Wörter werden orange markiert.
Der Stolperwörter-Lesetest: Sätze lesen, das falsche Wort finden
Den Stolperwörter-Lesetest, kurz STOLLE, hat Wilfried Metze entwickelt, ein Berliner Grundschullehrer und Autor der Tobi-Fibeln. Heute betreut ihn die Professur für Grundschulpädagogik Deutsch der Universität Potsdam. Schulen, Lehrkräfte und Hochschulen bekommen ihn dort kostenlos auf Anfrage, ebenso Einzelpersonen aus Lerntherapie und Nachhilfe. Das Kind bekommt ein Heft mit Sätzen. In jedem Satz steckt ein Wort, das grammatisch oder vom Sinn her nicht hineinpasst: das Stolperwort. Das Kind liest still und streicht es durch. Das Beispiel aus der Testbeschreibung lautet: „Meine Mutter trinkt gern schwach Kaffee.“ Wer „schwach“ durchstreicht, hat den Satz gelesen und verstanden. Am Ende der 1. Klasse sind es 45 Sätze, ab der 2. Klasse 60. Die Bearbeitungszeit ist begrenzt, laut Steckbrief der Leseroute Vorarlberg auf 10 Minuten in der 1. Klasse, 6 in der 2., 5 in der 3. und 4 Minuten in der 4. Klasse. Damit niemand beim Nachbarn abguckt, gibt es zwei ähnliche Fassungen, A und B, für die es Vergleichstabellen gibt. Gemessen werden nach Angaben der Universität Potsdam Lesegeschwindigkeit und Lesesicherheit auf der Satzebene. Das Verstehen gehört dazu, denn wer den Satz nicht versteht, findet das Stolperwort nicht. Die Lehrkraft wertet die Hefte mit Schablonen aus und vergleicht das Ergebnis mit Prozentrangtabellen für die Klassen 1 bis 4. Zwei Dinge solltest du über diese Tabellen wissen: - Sie gelten für das Ende des Schuljahres. Die Universität empfiehlt, den Test in den letzten fünf Wochen vor oder in den ersten vier Wochen nach den Sommerferien einzusetzen. Wird er zu einem anderen Termin geschrieben, etwa im November, kann die Lehrkraft zur Orientierung die Tabelle nehmen, die dem Termin am nächsten liegt. Der Prozentrang ist dann nur eine grobe Orientierung. - Sie sollen zeigen, wer Förderung braucht. Die Universität schreibt, der Test diene „vorrangig dazu, die Förderbedürftigkeit von Kindern festzustellen“. Ein Urteil über dein Kind ist das Ergebnis nicht.
Das Salzburger Lese-Screening und der Lesequotient
Das Salzburger Lese-Screening (SLS 2–9) haben die Leseforscher Heinz Wimmer und Heinz Mayringer entwickelt. Es erscheint bei Hogrefe, ist in der heutigen Form seit 2014 im Einsatz und für die 2. bis 9. Klasse gedacht (in Österreich: Schulstufe). Die Lehrkraft kann es mit einem Kind oder mit der ganzen Klasse durchführen. Die Kinder lesen kurze, einfache Sätze und beurteilen jeweils, ob die Aussage stimmt. Ein Beispiel, das wir uns ausgedacht haben (es stammt nicht aus dem Test): „Im Winter ist es meistens kälter als im Sommer.“ Die reine Bearbeitungszeit beträgt drei Minuten, mit Anleitung dauert der Test etwa eine Viertelstunde. Weil die Sätze leicht zu verstehen sind, misst das Screening vor allem das Lesetempo. Die Bildungsdirektion Tirol begründet das so: Im Deutschen zeigt sich eine Leseschwäche etwa ab Mitte der 2. Klasse meist daran, dass ein Kind deutlich langsamer liest. Heinz Wimmer hat genau das untersucht: Kinder mit Leseschwierigkeiten lesen im Deutschen meist richtig, aber sehr langsam. Aus der Zahl der richtig beurteilten Sätze ergibt sich über eine Tabelle der Lesequotient (LQ). Normiert wurde das Screening laut Verlag an 11.900 Schülerinnen und Schülern. Der Lesequotient ist so angelegt, dass der Mittelwert bei 100 liegt. Werte zwischen 90 und 110 gelten laut Bildungsdirektion Tirol als durchschnittlich, das Handbuch des Tests nennt 90 bis 109. Ein LQ von 95 liegt also im durchschnittlichen Bereich, einer von 80 darunter. Wie deutlich darunter, kann die Lehrkraft mit dem Handbuch einordnen. Die Normtabellen drucken wir hier nicht ab: Sie gehören zum Handbuch des Verlags, und ohne die genauen Testbedingungen ließe sich eine Zahl daraus ohnehin nicht richtig deuten. Weil es mehrere gleichwertige Fassungen gibt, kann die Schule das Screening in kurzem Abstand wiederholen, etwa um ein auffälliges Ergebnis abzusichern oder um zu sehen, ob eine Förderung wirkt. Üblich sind Termine am Anfang und am Ende des Schuljahres.
ELFE II: Wörter, Sätze und Texte verstehen
ELFE II, „Ein Leseverständnistest für Erst- bis Siebtklässler“, stammt von Wolfgang Lenhard, Alexandra Lenhard und Wolfgang Schneider und erscheint ebenfalls bei Hogrefe. Er erfasst Leseverständnis, Leseflüssigkeit und Lesegenauigkeit auf Wort-, Satz- und Textebene. Gedacht ist er für das Ende der 1. bis zum Beginn der 7. Klasse. Die Kinder arbeiten auf Papier oder am Computer, einzeln oder als ganze Klasse. Der Test hat drei Teile: - Wortverständnis: Das Kind sucht zu einem Bild unter mehreren Wörtern das passende aus. - Satzverständnis: In einem Satz mit Lücke wählt es das Wort, das in den Zusammenhang passt. - Textverständnis: Es liest kurze Texte und beantwortet Fragen dazu, jeweils mit vier Antworten zur Auswahl. In der Standardfassung arbeiten die Kinder 13 Minuten, mit Anleitung dauert der Test 20 bis 30 Minuten. Für die Normierung wurden 5.073 Datensätze in neun Bundesländern erhoben, die Normen gelten für jeden Zeitpunkt im Schuljahr. Das Ergebnis wird als Prozentrang und als T-Wert angegeben. Beim T-Wert liegt der Mittelwert bei 50. Für Eltern ist ELFE II besonders aufschlussreich, weil der Test zeigt, auf welcher Ebene es hakt. Ein Kind kann einzelne Wörter sicher erkennen und trotzdem bei längeren Texten den Faden verlieren. Ein anderes versteht Texte gut, braucht dafür aber so lange, dass es in der vorgegebenen Zeit wenig schafft. Frag bei einem schwachen Ergebnis deshalb nach den drei Teilwerten, nicht nur nach dem Gesamtwert.
VERA-3: Vergleichsarbeit statt Lesetest
VERA-3 heißen die Vergleichsarbeiten in der 3. Jahrgangsstufe. Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) entwickelt sie, durchgeführt werden sie von den Ländern. Geschrieben wird in mindestens einem der beiden Fächer Deutsch und Mathematik. Für Deutsch gibt es Tests zu „Lesen“, „Zuhören“, „orthografisch Schreiben“ und „Sprache und Sprachgebrauch untersuchen“. Das Zeitfenster für 2027 reicht vom 12. April bis zum 26. Mai, den genauen Termin legt jedes Land fest. In Niedersachsen nahmen zuletzt nur die Schulen des Startchancen-Programms teil. Seit dem Schuljahr 2026/27 können dort alle Schulen freiwillig mitmachen. Anders als die Tests oben ist VERA-3 vor allem eine Rückmeldung an die Schule. Das IQB nennt die Arbeiten „eine Art Frühwarnsystem für Lehrkräfte“: Sie zeigen, wie weit eine Klasse die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz erreicht. Benotet wird VERA nicht. Die Ergebnisse werden in Kompetenzstufen angegeben. Der Mindeststandard beschreibt, was alle Kinder mindestens können sollen, der Regelstandard, was im Durchschnitt erreicht werden soll. Darüber liegen Regelstandard plus und Optimalstandard. Ob und wie Eltern das Ergebnis ihres Kindes erfahren, regelt jedes Land. Frag die Lehrkraft danach. Liegt dein Kind im Bereich Lesen unter dem Mindeststandard, solltest du mit der Lehrkraft darüber sprechen, auch wenn es keine Note dafür gibt.
Den Brief der Schule lesen: Prozentrang, Lesequotient, T-Wert
Viele Schulen teilen das Ergebnis in einem kurzen Brief oder beim Elternsprechtag mit. Diese Angaben kommen darin am häufigsten vor:
| Im Brief steht | Was es bedeutet | Ein Beispiel |
|---|---|---|
| Rohwert | die Zahl der richtig gelösten Aufgaben, etwa richtig bearbeitete Sätze | Für sich allein sagt die Zahl wenig. Erst der Vergleich mit Kindern derselben Klassenstufe ordnet sie ein. |
| Prozentrang (PR) | wie viele von 100 Kindern der Vergleichsgruppe gleich viel oder weniger erreicht haben | PR 30: 30 von 100 Kindern haben gleich viel oder weniger geschafft, 70 mehr. |
| Lesequotient (LQ) | der Wert aus dem Salzburger Lese-Screening, Mittelwert 100 | LQ 95: im durchschnittlichen Bereich, der laut Handbuch von 90 bis 109 reicht. |
| T-Wert | ein Normwert, zum Beispiel aus ELFE II, Mittelwert 50 | T 50: genau in der Mitte der Vergleichsgruppe. |
| Kompetenzstufe | bei VERA-3: wie weit die Leistung die Bildungsstandards erreicht | Regelstandard: das, was im Durchschnitt erreicht werden soll. |
Ein häufiges Missverständnis: Ein Prozentrang ist kein Anteil richtiger Antworten. PR 50 heißt nicht „die Hälfte richtig“, sondern „genau in der Mitte“. Eine Schulnote ist er auch nicht. Mit diesen Fragen kannst du ein Ergebnis einordnen: 1. Welcher Test war es, und was misst er? Stolperwörter-Lesetest und Salzburger Lese-Screening messen vor allem das Tempo beim stillen Lesen, ELFE II das Verstehen. 2. Passt die Vergleichstabelle zum Testzeitpunkt? Beim Stolperwörter-Lesetest gelten die Tabellen für das Schuljahresende. Bei einem Test mitten im Schuljahr ist der Prozentrang nur eine grobe Orientierung. 3. War es ein guter Tag? Ein Test zeigt nur einen einzigen Vormittag. Müdigkeit, Aufregung oder eine Anleitung, die das Kind nicht verstanden hat, können das Ergebnis drücken. Frag, ob die Schule ein auffälliges Ergebnis mit einer zweiten Fassung prüft. 4. Passt das Ergebnis zu dem, was die Lehrkraft im Unterricht sieht? Wenn nicht, ist auch das eine wichtige Information. 5. Was folgt daraus? Förderunterricht, eine Lesegruppe, ein zweiter Test oder vorerst nur beobachten. Was du sonst noch im Gespräch fragen kannst, steht unter Elternsprechtag in der Grundschule: 12 Fragen zum Lesen.
Stilles Lesen im Test, lautes Lesen zu Hause
Stolperwörter-Lesetest, Salzburger Lese-Screening und ELFE II messen stilles Lesen, meist in der ganzen Klasse. Wie dein Kind dabei liest, hört niemand. Ob es langsam, aber genau liest, ob es rät oder an bestimmten Buchstabengruppen hängen bleibt, zeigt sich erst beim lauten Lesen. Deshalb lohnt es sich, ein Testergebnis zu Hause mit einer Minute lautem Lesen zu ergänzen. Dafür gibt es das Lautleseprotokoll, wie es das Bund-Länder-Programm BiSS-Transfer für die Klassen 2 bis 10 beschreibt. Dein Kind liest eine Minute lang laut einen unbekannten Text, der ungefähr zu seiner Klassenstufe passt. Du liest mit, korrigierst nicht und markierst falsch gelesene und ausgelassene Wörter. Gelesene Wörter minus Fehler ergeben die richtig gelesenen Wörter pro Minute (WpM). Für die Genauigkeit teilst du die richtig gelesenen Wörter durch alle gelesenen Wörter. Miss an zwei oder drei Tagen mit verschiedenen Texten. Die Anleitung Schritt für Schritt steht unter Lesegeschwindigkeit zu Hause messen. Zum Einordnen: Am Ende der 1., 2., 3. und 4. Klasse liegen die Orientierungswerte bei etwa 40, 85, 110 und 135 WpM beim lauten Lesen eines Textes auf Klassenniveau. Das sind Orientierungswerte, keine amtlichen Normen, und sie gelten für das Schuljahresende. Rund 100 WpM bei etwa 95 % Genauigkeit gelten nach Rosebrock und Nix (2008) als Richtwert für den Übergang zum flüssigen, verstehenden Lesen. Alle Werte, Zwischenstände im Laufe des Schuljahres und einen Rechner findest du in der Tabelle zur Lesegeschwindigkeit, die Einzelheiten pro Klasse unter 1. Klasse, 2. Klasse, 3. Klasse und 4. Klasse. Das Ergebnis aus der Schule und deine Messung zu Hause ergänzen sich: - Niedriger Wert im Stolperwörter-Lesetest oder Lese-Screening, zu Hause kaum Fehler: Dein Kind liest genau, aber langsam. Bei Kindern, denen das Lesen schwerfällt, ist das im Deutschen das häufigste Bild. Damit es Wörter schneller erkennt, braucht es vor allem Übung. - Niedriger Wert und zu Hause viele Fehler: Beim Erlesen ist dein Kind noch unsicher. Hier hilft es mehr, langsam und genau zu lesen, als schneller zu werden. - Flüssiges lautes Lesen, aber schwaches Ergebnis im Verständnistest: Dann geht es eher um Wortschatz und Textverständnis. Sprich mit deinem Kind über das Gelesene und frag die Lehrkraft nach den Teilwerten.
Wenn das Ergebnis niedrig ist
Ein niedriges Testergebnis zeigt, dass du genauer hinschauen solltest. Eine Diagnose ist es nicht. So kannst du vorgehen: 1. Mit der Lehrkraft sprechen. Welcher Test, welcher Wert, was sieht sie im Unterricht, was bietet die Schule an? An vielen Schulen gibt es Förderunterricht in kleinen Gruppen oder einen LRS-Förderkurs. 2. Eine zweite Messung vereinbaren. Ein zweiter Test nach einigen Wochen, ein Lautleseprotokoll in der Schule oder deine Messung zu Hause. Wichtig ist, dass jedes Mal gleich gemessen wird. Die Entwicklung über sechs bis acht Wochen sagt mehr als ein einzelner Wert. 3. Zu Hause täglich üben (nächster Abschnitt). 4. Abklären lassen, wenn sich trotz Übung wenig bewegt. Erste Anlaufstelle außerhalb der Schule ist die schulpsychologische Beratungsstelle. Die Diagnose einer Lese-Rechtschreib-Störung (Legasthenie) stellen eine Praxis oder Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) oder eine Praxis für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, meist nach Überweisung durch die Kinderarztpraxis. Ob ein Nachteilsausgleich, etwa mehr Zeit bei Klassenarbeiten, oder ein Notenschutz infrage kommt, regelt der LRS-Erlass deines Bundeslandes. In Österreich ist die Schulpsychologie die erste Anlaufstelle. Die Orientierungswerte für die Volksschule findest du unter Lesegeschwindigkeit in der Volksschule. In der Schweiz sind neben der Lehrperson die Schulische Heilpädagogin oder der Schulische Heilpädagoge und der Schulpsychologische Dienst zuständig. Mehr dazu unter Lesegeschwindigkeit nach Lehrplan 21. Woran du frühe Anzeichen erkennst und wie sich eine Legasthenie von langsamem Lesen unterscheidet, steht unter Anzeichen für Legasthenie bei Kindern und Legasthenie oder fehlt nur Übung?. Kommt das Thema im Halbjahreszeugnis wieder auf, hilft Halbjahreszeugnis in der Grundschule: was es über das Lesen sagt.
Üben statt Testtraining
Den Stolperwörter-Lesetest gibt es nur noch auf Anfrage für Schulen und Fachleute. Die Universität Potsdam begründet das so: Eltern hatten ihn heruntergeladen, um mit ihren Kindern zu üben, und danach konnten Lehrkräfte ihn nicht mehr für aussagekräftige Ergebnisse nutzen. Kennt ein Kind die Sätze schon, sagt das Ergebnis wenig darüber, wie es liest. Im ungünstigen Fall bekommt es dann die Förderung nicht, die es braucht. Was hilft, ist tägliche Übung, damit dein Kind schneller und sicherer liest. Testblätter gehören nicht dazu. - Jeden Tag zehn Minuten laut lesen, mit einem Text, den dein Kind gut schafft. Liest es von 20 Wörtern höchstens eines falsch, also rund 95 % richtig, passt er. Stolpert es öfter, nimm einen leichteren. - Kurze Abschnitte mehrmals lesen. Der US-Leseforscher S. Jay Samuels zeigte schon 1979, dass Kinder schneller und genauer lesen, wenn sie denselben Abschnitt mehrmals laut lesen. In der Schule heißt das wiederholtes Lautlesen. - Ein Lautlesetandem zu Hause. Ihr lest denselben Abschnitt halblaut gemeinsam, du fährst mit dem Finger unter der Zeile mit. Bleibt dein Kind hängen, sagst du das Wort, und ihr lest weiter. - Weiter vorlesen. Wenn du Bücher vorliest, die dein Kind allein noch nicht schafft, wächst sein Wortschatz, und der zählt beim Verstehen. An Tagen, an denen du nicht zuhören kannst, hört eine App beim Üben zu. Readigo ist eine iOS-App für Kinder von 6 bis 12 Jahren. Sie hört zu, wenn ein Kind laut liest, und bewertet das Gelesene sofort. Die Spracherkennung von Readigo ist auf Kinderstimmen abgestimmt und gleicht jeden Satz mit dem Text ab, nach den Buchstaben-Laut-Regeln, die die Leseforschung als Grundlage des Lesenlernens beschreibt. Nach jedem Satz sieht das Kind seine Bewertung und die Wörter, die es falsch gelesen oder ausgelassen hat. Die meisten Apps für dieses Alter bewerten lautes Lesen gar nicht. Readigo wurde genau dafür entwickelt. Readigo hat eine eigene deutsche Bibliothek, dazu Geschichten auf Englisch, Französisch, Spanisch, Polnisch und Ukrainisch. Die Bewertung ist eine Prozentzahl, und dein Kind kann den Satz gleich noch einmal lesen, um sie zu verbessern. Im Elternbereich siehst du jederzeit Genauigkeit, Bücher, Minuten und Sätze. Ein Lesetest ist Readigo nicht. Die Prozentzahl nach einem Satz bewertet diesen einen Satz und vergleicht dein Kind mit niemandem. Einen Prozentrang, einen Lesequotienten oder eine Note gibt die App nicht, und ihre Bewertung lässt sich weder mit den Ergebnissen der Schule noch mit deiner Messung zu Hause vergleichen. Readigo ist zum täglichen Üben da. So funktioniert Readigo.
Quellen
- Universität Potsdam, Professur für Grundschulpädagogik Deutsch - Stolperwörter-Lesetest (STOLLE): Autor, Messgegenstand, 45 und 60 Sätze, Fassungen A und B, Prozentrangtabellen für Klasse 1–4
- Universität Potsdam - STOLLE: Anleitung (Testzeitraum vor und nach den Sommerferien)
- Universität Potsdam - STOLLE: Download (Zugang nur auf Anfrage, Tabellen für das Schuljahresende, Zweck: Förderbedarf feststellen)
- Leseroute Vorarlberg - Steckbrief STOLLE (Bearbeitungszeit 10, 6, 5 und 4 Minuten je Klasse, Beispielsatz)
- Hogrefe - SLS 2–9, Salzburger Lese-Screening für die Schulstufen 2–9 (Wimmer & Mayringer, 3 Minuten, Lesequotient, Normen von 11.900 Schülerinnen und Schülern)
- Leseroute Vorarlberg - Steckbrief SLS 2–9 (Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen, Testzeitpunkte Anfang und Ende des Schuljahres)
- Bildungsdirektion Tirol, Pädagogischer Dienst - Lesezeichen, Ausgabe 10, Juni 2022: Pädagogische Diagnostik durch das Salzburger Lesescreening (Lesequotient, Mittelwert 100, durchschnittlich 90–110)
- Behrens, Oldenburg & Hillenbrand (2024), GENDER 1/2024 - zu den Normen des SLS 2–9 (durchschnittlicher Bereich LQ 90–109 laut Handbuch Wimmer & Mayringer 2014, S. 23)
- Wimmer, H. (1993) - Characteristics of developmental dyslexia in a regular writing system, Applied Psycholinguistics
- Hogrefe - ELFE II, Ein Leseverständnistest für Erst- bis Siebtklässler, Version II (Lenhard, Lenhard & Schneider)
- Deutscher Bundesverband für Logopädie - Testrezension ELFE II (Aufgaben der drei Untertests, Prozentränge und T-Werte nach Schuljahr und -monat)
- IQB - VERA-3, Vergleichsarbeiten in der 3. Jahrgangsstufe (Fächer, Testbereiche Deutsch, Zeitfenster 2027)
- IQB - Kompetenzstufenmodelle (Mindeststandard, Regelstandard, Regelstandard plus, Optimalstandard)
- Kultusministerkonferenz, Amtschefskommission „Qualitätssicherung in Schulen“ (2013) - VERA 3 und VERA 8: Fragen und Antworten für Schulen und Lehrkräfte (keine Benotung)
- Niedersächsisches Kultusministerium - Vergleichsarbeiten VERA (zuletzt nur Startchancen-Schulen, freiwillige Teilnahme ab 2026/27)
- IQS - iKM PLUS in der Volksschule (3. und 4. Schulstufe, Deutsch und Mathematik)
- BiSS-Transfer - Lautleseprotokoll (60 Sekunden, Fehlerarten, Richtwert 100 WpM und 95 % Lesegenauigkeit nach Rosebrock & Nix 2008)
- BiSS-Transfer - Lautleseverfahren: wiederholtes Lautlesen und Lautlesetandem
- Samuels, S. J. (1979) - The method of repeated readings, The Reading Teacher (ERIC)